Summa Summarum

Wilhelm Busch

1865

Sag, wie wär es, alter Schragen, Wenn du mal die Brille putztest, Um ein wenig nachzuschlagen, Wie du deine Zeit benutztest.

Oft wohl hätten dich so gerne Weiche Arme weich gebettet; Doch du standest kühl von ferne, Unbewegt, wie angekettet.

Oft wohl kam′s, daß du die schöne Zeit vergrimmtest und vergrolltest, Nur weil diese oder jene Nicht gewollt, so wie du wolltest.

Demnach hast du dich vergebens Meistenteils herumgetrieben; Denn die Summe unsres Lebens Sind die Stunden, wo wir lieben.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Summa Summarum

Interpretation

Das Gedicht "Summa Summarum" von Wilhelm Busch reflektiert über ein verpasstes Leben, das durch emotionale Kälte und Unbeweglichkeit geprägt war. Der Sprecher richtet sich an einen "alten Schragen", der vermutlich als Metapher für eine steife, unnahbare Persönlichkeit steht. Er fordert diesen auf, seine Lebensbilanz zu überdenken, indem er die Brille putzt und nachschlägt, wie er seine Zeit genutzt hat. Die Metapher der Brille deutet darauf hin, dass der Betroffene bisher eine verschleierte oder verzerrte Sicht auf sein Leben hatte und nun Klarheit gewinnen soll. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt, wie der "alte Schragen" zahlreiche Gelegenheiten für Zärtlichkeit und Nähe verpasst hat. "Weiche Arme" hätten ihn gerne "weich gebettet", doch er blieb "kühl von ferne", "unbewegt, wie angekettet". Diese Bilder vermitteln eine tiefe emotionale Distanz und die Unfähigkeit, sich auf zwischenmenschliche Beziehungen einzulassen. Die Kettenmetapher unterstreicht die selbst auferlegte Begrenzung, die ihn daran hinderte, sich zu öffnen und zu lieben. Im letzten Teil des Gedichts wird deutlich, dass der "alte Schragen" seine Zeit oft mit Groll und Unzufriedenheit vergeudet hat, weil die Dinge nicht so liefen, wie er es sich vorgestellt hatte. Die "Summa Summarum" seines Lebens, so der Titel, besteht letztlich aus den Stunden, in denen er lieben konnte. Da er diese verpasst hat, bleibt sein Leben unerfüllt und leer. Das Gedicht mündet in eine traurige Einsicht: Wer nicht liebt, der lebt nicht wirklich.

Schlüsselwörter

zeit oft sag wär alter schragen brille putztest

Wortwolke

Wortwolke zu Summa Summarum

Stilmittel

Alliteration
Zeit vergrimmtest und vergrolltest
Anrede
Sag, wie wär es, alter Schragen
Chiasmus
Denn die Summe unsres Lebens Sind die Stunden, wo wir lieben
Hyperbel
Demnach hast du dich vergebens Meistenteils herumgetrieben
Vergleich
Unbewegt, wie angekettet