Vorüber ist der Graus der Nacht,
Gebrochen ist des Sturmes Macht.
Wie weht die Morgenluft so lau!
Wie glitzert licht die grüne Au!
Ein jeder Bach, ein jeder Rain
Lockt weiter in die Welt hinein.
Ich bette mich in’s weiche Moos,
Ich träume in des Waldes Schooß.
Rings duftet der Wachholderdorn,
Vor meinen Augen wogt das Korn,
Die Lerche jubilirt im Blau –
Nur sonniges Glück, wohin ich schau‘.
In süßer Gottestrunkenheit
Dehnt sich die Seele frei und weit,
Sie möchte untertauchen ganz
In all‘ dem Duft, in all‘ dem Glanz.
Süße Gottestrunkenheit
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Süße Gottestrunkenheit“ von Wilhelm Arent beschreibt eine Idylle, einen Zustand höchster Glückseligkeit und Verbundenheit mit der Natur. Es beginnt mit der Überwindung des Negativen, der „Graus der Nacht“ und der „Sturmes Macht“, wodurch eine Atmosphäre der Befreiung und des Aufbruchs geschaffen wird. Die sanfte „Morgenluft“ und das glitzernde Licht auf der grünen Wiese laden den Leser ein, die Schönheit der erwachenden Natur wahrzunehmen.
Die Naturbilder sind detailliert und sinnlich. Der „Bach“ und der „Rain“ locken in die Weite, das „weiche Moos“ lädt zur Ruhe ein, während der „Wachholderdorn“ seinen Duft verströmt und das „Korn“ vor den Augen des Betrachters wogt. All diese Elemente vereinen sich zu einem harmonischen Bild, das eine tiefe Sehnsucht nach Naturverbundenheit weckt. Das „jubilierende“ Lied der Lerche im blauen Himmel verstärkt das Gefühl des Glücks und der Freude.
Der zentrale Vers des Gedichts, „In süßer Gottestrunkenheit“, benennt den Kern der Erfahrung. Die „Gottestrunkenheit“ impliziert einen Zustand der Ekstase und der Verschmelzung mit dem Göttlichen, hier gleichgesetzt mit der Natur. Die Seele des lyrischen Ichs erfährt eine grenzenlose Ausdehnung, sie möchte ganz in all dem Duft und Glanz aufgehen. Diese Hingabe an die Schönheit der Natur deutet auf eine tiefe spirituelle Erfahrung hin, eine Auflösung des Ichs in das universelle Sein.
Das Gedicht zeichnet sich durch eine einfache, klare Sprache und eine positive Stimmung aus. Die Verwendung von Reimschemata und einfachen Bildern schafft eine einladende Atmosphäre, die den Leser unmittelbar in die beschriebene Idylle hineinzieht. Es ist ein Lobgesang auf die Schönheit der Natur und ein Ausdruck des Wunsches nach einem Zustand der vollkommenen Harmonie und Glückseligkeit, der durch die Verschmelzung mit der Natur erreicht werden kann.
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Lizenz und Verwendung
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