Styx
unbekanntDie Nebel graun, die keinem Winde weichen. Die giftigen Dünste schwängern weit das Tal. Ein blasses Licht scheint in der Toten Reichen, Wie eines Totenkopfes Auge fahl.
Entsetzlich wälzt sich hin der Phlegeton. Wie tausend Niagaras hallt sein Brüllen. Die Klüfte wanken von den Schreien schon, Die im Orkan die Feuerfluten füllen.
Sie glühn von Qualen weiß. Wie Steine rollen Den Fluß herab sie in der trüben Glut, Wie des geborstenen Eises Riesenschollen So schmettert ihre Leiber hin die Flut.
Sie reiten aufeinander nackt und wild, Von Zorn und Wollust aufgebläht wie Schwämme. Ein höllischer Choral im Takte schwillt Vom Grunde auf bis zu dem Kamm der Dämme.
Auf einem fetten Greise rittlings reitet Ein nacktes Weib mit schwarzem Flatterhaar. Und ihren Schoß und ihre Brüste breitet Sie lüstern aus vor der Verdammten Schar.
Da brüllt der Chor in aufgepeitschter Lust. Das Echo rollt im roten Katarakt. Ein riesiger Neger steigt herauf und packt Den weißen Leib an seine schwarze Brust.
Unzählige Augen sehn den Kampf und trinken Den Rausch der Gier. Er braust durch das Gewühl, Da in dem Strom die Liebenden versinken, Den Göttern gleich im heißen Purpurpfühl.
Des Himmels ewiger Schläfrigkeit entflohen, Den Spinneweben, die der Cherubim Erhobene Nasen schon wie Efeu decken, Dem milden Frieden, der wie Öl so fett, Ein Bettler, lungert in den Ecken faul, Dem Tabaksdunst aus den Pastorenpfeifen, Der Trinität, die bei den Lobgesängen Von alten Tanten auf dem Sofa schläft, Dem ganzen großen Armenhospital, - Verdammten selbst wir uns und kamen her Auf dieser Insel weite Ödigkeit, Die wie ein Bootskiel in den Wellen steht, Um bis zum Ende aller Ewigkeit Dem ungeheuren Strome zuzuschaun.
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Interpretation
Das Gedicht "Styx" von Georg Heym ist ein düsteres und intensives Werk, das die Hölle als einen Ort des ewigen Leidens und der sinnlichen Exzesse darstellt. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Szenerie der Hölle, wo giftige Dämpfe das Tal erfüllen und ein blasses Licht wie das Auge eines Totenschädels scheint. Der Phlegeton, ein Fluss aus Feuer, wälzt sich entsetzlich durch die Landschaft, begleitet von den Schreien der Verdammten. Die Körper der Verdammten gleichen Eisbrocken, die in der Glut des Flusses schmelzen, während sie nackt und wild aufeinander reiten, getrieben von Zorn und Wollust. Ein höllischer Choral schwillt an, während ein nacktes Weib auf einem fetten Greis reitet und ihre Lust vor der Schar der Verdammten ausbreitet. Ein riesiger Neger steigt herauf und packt den weißen Leib an seine schwarze Brust, während unzählige Augen den Kampf beobachten und den Rausch der Gier trinken. Die Liebenden versinken im Strom, den Göttern gleich in einem heißen Purpurpfuhl. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Grund für das Erscheinen der Verdammten in der Hölle. Sie sind der ewigen Schläfrigkeit des Himmels entflohen, der Spinneweben, die die Nasen der Cherubim bedecken, dem milden Frieden, der wie Öl so fett ist, dem Bettler, der in den Ecken faul lungert, dem Tabaksdunst aus den Pastorenpfeifen, der Trinität, die bei den Lobgesängen von alten Tanten auf dem Sofa schläft, und dem ganzen großen Armenhospital. Die Verdammten haben sich selbst verdammt und sind auf diese Insel der weiten Ödigkeit gekommen, die wie ein Bootskiel in den Wellen steht, um bis zum Ende aller Ewigkeit dem ungeheuren Strome zuzuschaun. Das Gedicht endet mit einem Bild der Verzweiflung und des ewigen Leidens, das die Verdammten in der Hölle erwartet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Die Klüfte wanken von den Schreien schon
- Metapher
- Dem ungeheuren Strome
- Personifikation
- Die Nebel graun, die keinem Winde weichen
- Vergleich
- Wie ein Bootskiel in den Wellen steht