Studentenlied

Johann Christian Günther

1795

Brüder, last uns lustig seyn, Weil der Frühling währet Und der Jugend Sonnenschein Unser Laub verkläret. Grab und Baare warthen nicht; Wer die Rosen jezo bricht, Dem ist der Kranz bescheeret.

Unsers Lebens schnelle Flucht Leidet keinen Zügel, Und des Schicksals Eifersucht Macht ihr stetig Flügel. Zeit und Jahre fliehn davon, Und vielleichte schnizt man schon An unsers Grabes Riegel.

Wo sind diese, sagt es mir, Die vor wenig Jahren Eben also, gleich wie wir, Jung und fröhlich waren? Ihre Leiber deckt der Sand, Sie sind in ein ander Land Aus dieser Welt gefahren.

Wer nach unsern Vätern forscht, Mag den Kirchhof fragen; Ihr Gebein, so längst vermorscht, Wird ihm Antwort sagen. Kan uns doch der Himmel bald, Eh die Morgenglocke schallt, In unsre Gräber tragen.

Unterdeßen seyd vergnügt, Last den Himmel walten, Trinckt, bis euch das Bier besiegt, Nach Manier der Alten! Fort! Mir wäßert schon das Maul, Und, ihr andern, seyd nicht faul, Die Mode zu erhalten.

Dieses Gläschen bring ich dir, Daß die Liebste lebe Und der Nachwelt bald von dir Einen Abriß gebe. Sezt ihr andern gleichfalls an, Und wenn dieses ist gethan, So lebt der edle Rebe.

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Illustration zu Studentenlied

Interpretation

Das Gedicht "Studentenlied" von Johann Christian Günther thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Wichtigkeit, die Jugend und die Freuden des Lebens zu genießen. Das Gedicht ermutigt dazu, die Gegenwart zu zelebrieren und die Schönheit des Augenblicks zu erkennen, da das Leben vergänglich ist. In den ersten beiden Strophen wird die flüchtige Natur des Lebens betont. Der Frühling und die Jugend werden als vergängliche Phasen dargestellt, die nicht ewig währen. Die Zeilen "Grab und Baare warthen nicht" und "Zeit und Jahre fliehen davon" verdeutlichen, dass der Tod unausweichlich ist und dass die Zeit unaufhaltsam vergeht. Die Metapher des Rosenpflückens symbolisiert die Notwendigkeit, das Leben zu genießen, solange es noch möglich ist. Die dritte und vierte Strophe reflektieren über die Vergänglichkeit vergangener Generationen. Die Frage "Wo sind diese, sagt es mir" und die Erwähnung der Vorfahren auf dem Friedhof verdeutlichen, dass auch diejenigen, die vor uns lebten, nicht ewig bestehen. Die Erinnerung an sie bleibt nur in Form von Gräbern und Knochen erhalten. Die Zeile "Kan uns doch der Himmel bald, eh die Morgenglocke schallt, in unsre Gräber tragen" unterstreicht die Unausweichlichkeit des Todes und die Möglichkeit, dass auch wir bald in unseren Gräbern ruhen werden. Die letzten beiden Strophen rufen dazu auf, das Leben zu genießen und die Freuden des Augenblicks zu zelebrieren. Die Zeilen "Trinckt, bis euch das Bier besiegt, nach Manier der Alten" und "Die Mode zu erhalten" betonen die Bedeutung des Genusses und der Geselligkeit. Das Gedicht ermutigt dazu, die Freuden des Lebens zu umarmen und sich nicht von der Vergänglichkeit des Lebens entmutigen zu lassen. Das Trinken wird als eine Art der Lebensfreude und des Miteinanders dargestellt, die dazu beiträgt, die Gegenwart zu feiern und die Erinnerung an die Vergangenheit zu ehren.

Schlüsselwörter

last unsers himmel bald seyd andern brüder lustig

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Stilmittel

Alliteration
Zeit und Jahre fliehn davon
Anapher
Brüder, last uns lustig seyn, Weil der Frühling währet Und der Jugend Sonnenschein Unser Laub verkläret
Bildsprache
Ihre Leiber deckt der Sand
Hyperbel
Trinckt, bis euch das Bier besiegt
Kontrast
Wo sind diese, sagt es mir, Die vor wenig Jahren Eben also, gleich wie wir, Jung und fröhlich waren?
Metapher
Und der Jugend Sonnenschein Unser Laub verkläret
Personifikation
Und des Schicksals Eifersucht Macht ihr stetig Flügel
Rhetorische Frage
Wo sind diese, sagt es mir, Die vor wenig Jahren Eben also, gleich wie wir, Jung und fröhlich waren?
Symbolik
Grab und Baare warthen nicht