Studenten-Kriegslied

Max von Schenkendorf

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Ich bin Student gewesen, Nun heiß′ ich Lieutenant, Fahr wohl, gelahrtes Wesen, Ade, du Büchertand. Zum König will ich ziehen, Ins grüne Waffenfeld, Wo rothe Rosen blühen, Da schlaf ich ohne Zelt. Ihr guten Kameraden Bei Büchern und beim Mahl, Seid alle mitgeladen In diesem großen Saal.

Frisch auf, wem solche Stimme Zum Ohr und Herzen geht! Es rege sich im Grimme Nun jede Fakultät. Die ihr euch weise Meister Im stolzen Wahn genannt, Auf Regeln für die Geister, Für die Gedanken sannt, - Hier ist die hohe Schule, Die freie Künste lehrt, Und für die Federspule Schärf′ ich mein gutes Schwert.

Ihr Herren Rechtsgelehrten, Die durch den Urvertrag Das alte Recht verkehrten, Es kommt für euch ein Tag. Die Güter sind verpfändet, Die Keiner missen darf, Die Freiheit ist entwendet, - Macht eure Beile scharf. Die Sünde sollt ihr rächen, Die durch die Wolken drang, Ein Urtheil ist zu sprechen Auf Beil und Rad und Strang.

Von eures Meisters Lehren, Ihr Aerzte, weichet nicht, Das Messer hebt in Ehren, Wenn anders Heil gebricht; So kurz ist ja das Leben, So lang und schwer die Kunst, Dem Flücht′gen sei gegeben Des Himmels reine Gunst. Wenn Leib und Seele leiden, In Schmerz, in Brand und Haß, So hilft ein kühnes Schneiden, So hilft ein Aderlaß.

Wolauf, ihr Theologen, Der Herr ist nicht mehr weit, So kommt nur mitgezogen Entgegen ihm im Streit. Hier kann man deutlich lernen Die Zukunft zum Gericht, Wenn über seinen Sternen Der Herr das Urtheil spricht. Uns wird das Herz erledigt, Uns wird der Sinn erfreut, Wenn die Kanonenpredigt In alle Ohren schreit.

Noch kämpft der Leonide, Noch schallt die Hermannsschlacht, Der Fall der Winkelriede Uebt wieder seine Macht. Was wir gehört, gelesen, Tritt wirklich in die Zeit, Gewinne jetzt ein Wesen Auch du, Gelehrsamkeit; Es gilt kein kleines Fechten Und keinen Fürstenstreit, Es gilt den Sieg des Rechten In alle Ewigkeit.

Das heiß′ ich rechte Fehde, Wenn Jeder übt die Kraft, Zur Waffe wird die Rede, Zur Waffe Wissenschaft. Die Harf′ in Sängers Händen, Den Meißel scharf und fein, Das alles kann man wenden Zu Feindes Trutz und Pein. Nun singt den Landesvater, Den Feldherrn unsrer Wahl, Des Landes Schutz und Rather, Der diesen Krieg befahl.

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Illustration zu Studenten-Kriegslied

Interpretation

Das Gedicht "Studenten-Kriegslied" von Max von Schenkendorf ist ein patriotisches und kämpferisches Werk, das im Jahr 1813 entstand. Es spiegelt die Stimmung der Befreiungskriege gegen Napoleon wider und ruft die Studenten dazu auf, ihre akademischen Bestrebungen aufzugeben und in den Krieg zu ziehen. Das Gedicht ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die jeweils eine andere Zielgruppe ansprechen. Es beginnt mit dem Ich-Erzähler, der sich von seiner Studentenzeit verabschiedet und sich als Leutnant dem König und dem Krieg anschließt. Er lädt seine Kommilitonen ein, sich ihm anzuschließen. In den folgenden Strophen werden verschiedene akademische Disziplinen angesprochen und aufgefordert, ihre Fähigkeiten in den Dienst des Krieges zu stellen. Die Geisteswissenschaften sollen ihre Rhetorik und ihr Wissen nutzen, um die Feinde zu bekämpfen. Die Juristen sollen ihr Wissen über Recht und Gerechtigkeit einsetzen, um die Schuldigen zu bestrafen. Die Mediziner sollen ihre chirurgischen Fähigkeiten nutzen, um die Verletzten zu behandeln. Die Theologen sollen ihre religiöse Überzeugung nutzen, um den Glauben und die Moral der Soldaten zu stärken. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zum Kampf für das Vaterland und den gewählten Feldherrn, der den Krieg befohlen hat. Es betont die Bedeutung des kollektiven Einsatzes aller Disziplinen und die Überzeugung, dass der Kampf für das Recht und die Freiheit von ewiger Bedeutung ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Ich bin Student gewesen, Nun heiß' ich Lieutenant
Allusion
Noch kämpft der Leonide, Noch schallt die Hermannsschlacht
Anapher
Die ihr euch weise Meister Im stolzen Wahn genannt
Hyperbel
Es gilt den Sieg des Rechten In alle Ewigkeit
Kontrast
Für die Federspule Schärf' ich mein gutes Schwert
Metapher
Zum König will ich ziehen, Ins grüne Waffenfeld
Metonymie
Das Messer hebt in Ehren
Parallelismus
Das heiß' ich rechte Fehde, Wenn Jeder übt die Kraft
Personifikation
Wo rothe Rosen blühen
Symbolik
Der Herr ist nicht mehr weit