Stromüber
unknownDer Abend war so dunkelschwer, und schwer durchs Dunkel schnitt der Kahn; die Andern lachten um uns her, als fühlten sie den Frühling nahn.
Der weite Strom lag stumm und fahl, am Ufer floß ein schwankend Licht, die Weiden standen starr und kahl. Ich aber sah dir ins Gesicht
und fühlte deinen Atem flehn und deine Augen nach mir schrein und - eine Andre vor mir stehn und heiß aufschluchzen: Ich bin dein!
Das Licht erglänzte nah und mild; im grauen Wasser, schwarz, verschwand der starren Weiden zitternd Bild. Und knirschend stieß der Kahn ans Land.
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Interpretation
Das Gedicht "Stromüber" von Richard Dehmel schildert eine nächtliche Bootsfahrt auf einem dunklen Fluss. Die Atmosphäre ist bedrückend und schwer, der Abend "dunkelschwer" und der Kahn schneidet "schwer durchs Dunkel". Während die anderen fröhlich lachen und den nahenden Frühling spüren, konzentriert sich der lyrische Ich auf die Person, die ihm gegenübersitzt. Das lyrische Ich blickt der anderen Person tief in die Augen und fühlt ihren sehnsuchtsvollen Atem und die flehenden Blicke. In diesem Moment sieht es eine andere Frau vor sich stehen, die leidenschaftlich aufschluchzt: "Ich bin dein!" Es scheint, als ob das lyrische Ich eine innere Zerrissenheit und Sehnsucht nach einer anderen Person verspürt, während es sich auf dem Boot befindet. Die Stimmung ändert sich, als das Licht näher und milder wird. Das Spiegelbild der Weiden im Wasser verschwimmt und der Kahn erreicht das Ufer mit einem knirschenden Geräusch. Die Interpretation des Gedichts lässt darauf schließen, dass das lyrische Ich eine emotionale Reise durchlebt, die von inneren Konflikten und Sehnsüchten geprägt ist. Die Bootsfahrt symbolisiert möglicherweise den Übergang von einer emotionalen Situation zur nächsten, wobei das Erreichen des Ufers einen Wendepunkt oder eine Entscheidung darstellen könnte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- im grauen Wasser, schwarz, verschwand der starren Weiden zitternd Bild
- Kontrast
- Die Andern lachten um uns her, als fühlten sie den Frühling nahn
- Metapher
- heiß aufschluchzen: Ich bin dein!
- Onomatopoesie
- knirschend stieß der Kahn ans Land
- Personifikation
- Die Weiden standen starr und kahl