Strephon an Seraphinen
1891Ich beklage mich, Brachtst du gleich mich ins Gedränge, Ueber meines Schicksals Strenge, Schöner Feind! nicht über dich. Alle Schmerzen die ich leide, Sind nicht werth der Augenweide Athemlos vor dir zu stehn. Will mein Stolz sich drüber kränken, Gleich geb ich ihm zu bedenken: Kann man Engel ohne Schmerzen sehn?
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Interpretation
Das Gedicht "Strephon an Seraphinen" von Jakob Michael Reinhold Lenz beschreibt die zwiespältigen Gefühle des Sprechers, Strephon, gegenüber seiner Angebeteten, Seraphinen. Er beklagt sich zwar über sein Schicksal, das ihn in ihre Nähe bringt, doch dieser Kummer ist nicht von ihr selbst verursacht, sondern resultiert aus der überwältigenden Schönheit, die er in ihrer Gegenwart erfährt. Die Anwesenheit Seraphinens ist für Strephon so faszinierend, dass er bereit ist, jeglichen Schmerz dafür in Kauf zu nehmen. Die Schmerzen, die Strephon erleidet, erscheinen ihm im Vergleich zu dem Anblick Seraphinens als geringfügig. Er ist bereit, den Schmerz zu ertragen, nur um in ihrer Nähe sein zu können, selbst wenn er dabei den Atem verliert. Sein Stolz versucht vielleicht, sich über diese Unterwerfung zu beklagen, doch Strephon erinnert sich selbst daran, dass es unmöglich ist, einen Engel ohne Schmerzen zu erblicken. Die Schönheit Seraphinens wird mit der eines Engels verglichen, was die Intensität seiner Gefühle unterstreicht. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Idee, dass wahre Schönheit oft mit Schmerz verbunden ist. Strephon erkennt an, dass die Erfahrung, Seraphinen zu sehen, jeden erlittenen Schmerz wert ist. Die göttliche Qualität ihrer Schönheit macht es unmöglich, sie ohne emotionale Erschütterung zu betrachten. Das Gedicht reflektiert somit die paradoxe Natur der Liebe, in der Freude und Schmerz untrennbar miteinander verbunden sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Brachtst du gleich mich ins Gedränge, Ueber meines Schicksals Strenge, Schöner Feind! nicht über dich.
- Metapher
- Augenweide
- Rhetorische Frage
- Kann man Engel ohne Schmerzen sehn?