Stoßseufzerlein eines Ehemannes

Heinrich Christian Boie

1760

Ihr Götter schenktet mir ein Weib Kraft eurer hohen Gnade Zu meines Lebens Zeitvertreib, Auch war es nicht mein Schade.

Sollt’ eure hohe Gnad’ indeß Für sie was beßers wißen, So will ich meiner Pflicht gemäß Sie gern noch heute missen.

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Illustration zu Stoßseufzerlein eines Ehemannes

Interpretation

Das Gedicht "Stoßseufzerlein eines Ehemannes" von Heinrich Christian Boie ist ein kurzes, aber tiefgründiges Werk, das die ambivalente Beziehung eines Ehemannes zu seiner Ehefrau zum Ausdruck bringt. Der Titel deutet bereits auf einen sehnsüchtigen oder bedauernden Unterton hin, der sich durch das gesamte Gedicht zieht. In den ersten beiden Zeilen wird deutlich, dass der Sprecher seine Frau als Geschenk der Götter ansieht, was auf eine gewisse Wertschätzung und Dankbarkeit hindeutet. Die Verwendung des Wortes "Gnade" impliziert, dass die Ehe als etwas Besonderes und nicht Selbstverständliches angesehen wird. Die folgenden Zeilen offenbaren jedoch eine gewisse Ironie, da der Ehemann seine Frau als Zeitvertreib bezeichnet und betont, dass es ihm nicht geschadet hat. Dies deutet auf eine eher oberflächliche oder distanzierte Beziehung hin. Der zweite Teil des Gedichts führt eine Wendung ein, die die Ambivalenz des Sprechers unterstreicht. Er erklärt, dass er bereit wäre, seine Frau zu vermissen, falls die Götter etwas Besseres für sie bereithalten sollten. Dies kann als Ausdruck von Selbstlosigkeit interpretiert werden, aber auch als Hinweis auf eine gewisse Gleichgültigkeit oder mangelnde emotionale Bindung. Die Verwendung des Wortes "missen" im Sinne von "vermissen" fügt eine weitere Ebene der Komplexität hinzu, da es sowohl das Fehlen als auch das Verlieren impliziert. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine subtile Kritik an den Konventionen der Ehe und den Erwartungen, die mit ihr verbunden sind. Es zeigt, wie ein Ehemann mit den Widersprüchen und Herausforderungen seiner Rolle umgeht, indem er eine Mischung aus Ironie, Resignation und einem Hauch von Zynismus einsetzt. Die Kürze des Gedichts und die prägnante Sprache tragen zur Wirkung bei, indem sie den Leser dazu einladen, über die tieferen Bedeutungen und Implikationen nachzudenken.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Ihr Götter schenktet mir ein Weib
Hyperbel
Kraft eurer hohen Gnade
Konditionalsatz
Sollt' eure hohe Gnad' indeß / Für sie was beßers wißen
Kontrast
Zu meines Lebens Zeitvertreib, / Auch war es nicht mein Schade
Volta
So will ich meiner Pflicht gemäß / Sie gern noch heute missen