Stimme der Mutter
1908Lag ich als Kind Schlaflos, ängstlich, Sang die Mutter Mit sanfter Stimme, Bis der Schlummer Die träumenden Augen Leise mir schloss.-
Längst verklangen Die Wiegenlieder; Wuchs der Mutter Über den Kopf… Wer singt heut′ mir Tröstliche Lieder?
Das bist du, Hehre Stimme Im Gebrause Des Frühlingssturmes Und im Flüstern Fallenden Regens.
Lauschen will ich und liegen Wie ein Wiegekind; Singe, treue Mutter, Schläf′re dein banges Kind!
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Interpretation
Das Gedicht "Stimme der Mutter" von Bruno Wille thematisiert die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der tröstenden und beruhigenden Stimme der Mutter. In der Kindheit sang die Mutter dem Ich sanfte Wiegenlieder, um ihm beim Einschlafen zu helfen. Doch nun sind die Wiegenlieder verstummt, da die Mutter älter geworden ist und ihre Stimme nicht mehr so kraftvoll ist wie früher. Das Ich fragt sich, wer ihm heute noch tröstliche Lieder singt. Die Antwort findet das Ich in der Natur. Die Stimme der Mutter ist nun in den Klängen des Frühlingssturms und des fallenden Regens zu hören. Diese natürlichen Geräusche trösten und beruhigen das Ich auf die gleiche Weise wie früher die Wiegenlieder der Mutter. Das Ich möchte wieder in den Zustand der Geborgenheit und des Vertrauens zurückkehren, den es als Kind empfunden hat, und bittet die Mutter, es erneut in den Schlaf zu wiegen. Das Gedicht vermittelt eine tiefe emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind, die über die Kindheit hinaus besteht. Die Mutter bleibt auch im Erwachsenenalter eine Quelle des Trostes und der Sicherheit für das Ich. Die Natur dient als Medium, durch das die Stimme der Mutter weiterhin gehört werden kann, auch wenn sie selbst nicht mehr singen kann. Das Gedicht drückt die Sehnsucht nach der bedingungslosen Liebe und dem Schutz aus, die die Mutter dem Kind in der Kindheit geboten hat.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Metapher
- Schläf′re dein banges Kind
- Personifikation
- Das bist du, Hehre Stimme Im Gebrause Des Frühlingssturmes Und im Flüstern Fallenden Regens