Stiller Gang

Richard Dehmel

1863

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen. Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei. Kaum ist mein Weg noch zu erkennen. Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen. Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei. Vorbei.

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Interpretation

Das Gedicht "Stiller Gang" von Richard Dehmel beschreibt einen Abendspaziergang in der Natur zur Herbstzeit. Der Dichter vermittelt eine Stimmung der Einsamkeit und des Abschieds. Die ersten beiden Verse setzen die Szenerie: Der Abend bricht an und die Felder brennen in herbstlichem Licht. Der Rauch teilt sich über den Stoppeln. Der Weg des Sprechers ist kaum noch zu erkennen, was auf das allmähliche Verlöschen des Tageslichts hindeutet. In den folgenden Zeilen wird die Atmosphäre des Abschieds und der Trennung betont. Die Nacht naht und der Sprecher muss sich von etwas oder jemandem trennen. Ein Käfer surrt an seinem Ohr vorbei - ein kurzer, fast unmerklicher Moment, der die Vergänglichkeit des Lebens symbolisieren könnte. Der letzte Vers "Vorbei" steht allein und unterstreicht die Endgültigkeit des Geschehens. Er könnte sich sowohl auf den Käfer beziehen, der vorbeisurrt, als auch auf den gesamten Spaziergang und die damit verbundenen Gefühle. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Leere und des Vergehens.

Schlüsselwörter

vorbei abend graut herbstfeuer brennen stoppeln geht rauch

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Stilmittel

Bildsprache
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei
Metapher
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen
Onomatopoesie
Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei
Personifikation
Bald kommt die Nacht