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Stiller Gang

Von

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.
Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.
Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.
Vorbei.

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Gedicht: Stiller Gang von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Stiller Gang“ von Richard Dehmel fängt die melancholische Stimmung eines Herbstabends und die Gewissheit des Abschieds in knappen, eindringlichen Bildern ein. Die Atmosphäre ist geprägt von Abschied, Vergänglichkeit und der stillen Bewegung in Richtung Dunkelheit. Die Wahl der Worte, insbesondere die Kürze und die eindringliche Wiederholung von „Vorbei“, verstärken den Eindruck der Verlorenheit und der unausweichlichen Trennung.

Die Beschreibung der Szenerie – „Der Abend graut; Herbstfeuer brennen. / Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.“ – evoziert ein Bild von herbstlicher Wehmut und der Vergänglichkeit des Lebens. Die Herbstfeuer, ein Zeichen des nahenden Winters, sind ebenso flüchtig wie das Leben selbst. Der Rauch, der sich teilt, symbolisiert die Auflösung und das Auseinanderdriften, ein Gefühl, das durch die bevorstehende Nacht und die Einsamkeit des lyrischen Ichs noch verstärkt wird.

Das lyrische Ich scheint sich auf einem Weg zu befinden, der langsam von der Dunkelheit verschluckt wird. Die Zeilen „Kaum ist mein Weg noch zu erkennen. / Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.“ betonen die fortschreitende Dunkelheit und das Gefühl der Isolation. Die Trennung, die hier angedeutet wird, kann sowohl eine physische als auch eine emotionale Trennung vom Leben, von einer geliebten Person oder von der Welt bedeuten.

Der „Käfer“, der am Ende des Gedichts „surrt an meinem Ohr vorbei“, scheint ein letzter flüchtiger Moment des Lebens zu sein, ein kleines Zeichen der Existenz inmitten der anbrechenden Nacht. Die abschließende Wiederholung von „Vorbei“ bekräftigt die Vergänglichkeit des Lebens und das unwiderrufliche Ende. Es ist ein Abschied, der sowohl tröstlich als auch schmerzhaft ist, der die Schönheit der Vergänglichkeit und die Akzeptanz des unvermeidlichen Endes zum Ausdruck bringt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.