Stille Tränen
1862Du bist vom Schlaf erstanden Und wandelst durch die Au. Da liegt ob allen Landen Der Himmel wunderblau.
So lang du ohne Sorgen Geschlummert schmerzenlos, Der Himmel bis zum Morgen Viel Tränen niedergoß.
In stillen Nächten weinet Oft mancher aus dem Schmerz, Und morgens dann ihr meinet, Stets fröhlich sei sein Herz.
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Interpretation
Das Gedicht "Stille Tränen" von Justinus Kerner handelt von der Diskrepanz zwischen äußerer Erscheinung und innerem Zustand. Es beginnt mit einer Person, die aus dem Schlaf erwacht und durch die Auen wandert, wo der Himmel überall wunderbar blau liegt. Die erste Strophe vermittelt eine friedliche und idyllische Stimmung. Die zweite Strophe enthüllt jedoch eine traurige Wahrheit. Während die Person schmerzlos geschlummert hat, hat der Himmel in der Nacht viele Tränen niedergehen lassen. Dies symbolisiert die verborgenen Schmerzen und Sorgen, die oft im Dunkeln und in der Stille weinen. Die Tränen des Himmels stehen metaphorisch für die Tränen der Menschen, die ihre inneren Kämpfe nicht nach außen tragen. Die letzte Strophe verdeutlicht die Ironie der Situation. In den stillen Nächten weint oft jemand aus Schmerz, aber am Morgen glauben die anderen, dass sein Herz immer fröhlich sei. Dies verdeutlicht die menschliche Tendenz, die inneren Kämpfe anderer zu übersehen oder zu ignorieren. Das Gedicht erinnert uns daran, dass hinter der äußeren Fassade oft verborgene Schmerzen liegen und dass es wichtig ist, Mitgefühl und Verständnis für die inneren Kämpfe anderer zu zeigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Und morgens dann ihr meinet, / Stets fröhlich sei sein Herz
- Kontrast
- So lang du ohne Sorgen / Geschlummert schmerzenlos
- Metapher
- Der Himmel wunderblau
- Personifikation
- Der Himmel ... viel Tränen niedergoß