Stille Liebe
1840Könnt′ ich dich in Liedern preisen, Säng′ ich dir das längste Lied. Ja, ich würd′ in allen Weisen Dich zu singen nimmer müd′!
Doch was immer mich betrübte, Ist, daß ich nur immer stumm Tragen kkann dich, Herzgeliebte, In des Busens Heiligtum.
Dieser Schmerz hat mich bezwungen, Daß ich sang dies kleine Lied, Doch von bitterm Leid durchdrungen, Daß noch keins auf dich geriet.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Stille Liebe" von Justinus Kerner handelt von der tiefen, unausgesprochenen Liebe des lyrischen Ichs zu einer Herzensgeliebten. Der Sprecher drückt den Wunsch aus, seine Gefühle durch Lieder und in allen möglichen Weisen auszudrücken, und betont, dass er niemals müde werden würde, die Geliebte zu preisen. Doch die Unfähigkeit, diese Liebe offen zu zeigen und zu kommunizieren, belastet ihn schwer. Der zweite Teil des Gedichts offenbart den Schmerz, den die Stille Liebe verursacht. Das lyrische Ich ist gezwungen, die Gefühle für die Geliebte im Inneren zu tragen, im "Heiligtum des Busens", ohne sie jemals äußern zu können. Dieser innere Konflikt und die damit verbundene Qual haben den Sprecher schließlich dazu gebracht, dieses kleine Lied zu verfassen, obwohl er befürchtet, dass es nie die Geliebte erreichen wird. Die Stimmung des Gedichts ist von Melancholie und Sehnsucht geprägt. Die unausgesprochene Liebe wird als Quelle von Schmerz und Leid dargestellt, und die Angst, dass die Gefühle unerkannt bleiben, verstärkt die emotionale Intensität. Kerner vermittelt eindrucksvoll die Qual der unerwiderten oder unausgesprochenen Liebe und die tiefe Sehnsucht nach einem Ausdruck dieser Gefühle.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Ich würd in allen Weisen / Dich zu singen nimmer müd
- Antithese
- Doch von bitterm Leid durchdrungen, Daß noch keins auf dich geriet
- Hyperbel
- Könnt ich dich in Liedern preisen, Säng ich dir das längste Lied
- Metapher
- In des Busens Heiligtum
- Personifikation
- Dieser Schmerz hat mich bezwungen