Stille Frage
1862Es quillt des Abendsterns Geheimnisvoller Schein, So nah und auch so fern, Mir in das Herz hinein.
Drin glüht ein andres Licht, So nah und auch so fern, Das Herz umschließt es dicht - Doch weit ists wie der Stern.
Du goldner Liebesstrahl, Geh, frage deinen Stern, Bleibt er zu deiner Qual, Dir ewig, ewig fern?
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Interpretation
Das Gedicht "Stille Frage" von Luise Büchner handelt von der Sehnsucht nach Liebe und dem Gefühl der Unerreichbarkeit. Der Abendstern steht als Symbol für das ferne und unerreichbare Objekt der Begierde, das in das Herz des lyrischen Ichs eindringt und dort ein anderes Licht entfacht. Dieses innere Licht symbolisiert die Liebe, die das Herz umschließt, aber dennoch so weit entfernt scheint wie der Stern am Himmel. Das lyrische Ich richtet sich in der zweiten Strophe direkt an den "goldnen Liebesstrahl", der den Abendstern verkörpert. Es bittet diesen, den Stern zu befragen, ob er für immer unerreichbar bleiben wird und somit die "Qual" des lyrischen Ichs verstärkt. Die Wiederholung des Wortes "ewig" unterstreicht die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die das lyrische Ich empfindet. Das Gedicht vermittelt eine tiefgründige emotionale Botschaft über die menschliche Erfahrung von Liebe und Sehnsucht. Es zeigt auf, wie die Sehnsucht nach einem unerreichbaren Objekt der Begierde das Herz durchdringen und ein inneres Licht entfachen kann, das sowohl nah als auch fern erscheint. Die stille Frage am Ende des Gedichts bleibt unbeantwortet und lässt den Leser über die Natur der Liebe und die Unmöglichkeit ihrer Erfüllung nachdenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegenüberstellung
- So nah und auch so fern
- Metapher
- Das Herz umschließt es dicht
- Personifikation
- Du goldner Liebesstrahl, Geh, frage deinen Stern
- Rhetorische Frage
- Bleibt er zu deiner Qual, Dir ewig, ewig fern?