Stiftungslied
1749Was gehst du, schöne Nachbarin, Im Garten so allein? Und wenn du Haus und Felder pflegst, Will ich dein Diener sein.
Mein Bruder schlich zur Kellnerin Und ließ ihr keine Ruh′; Sie gab ihm einen frischen Trunk Und einen Kuß dazu.
Mein Vetter ist ein kluger Wicht, Er ist der Köchin hold; Den Braten dreht er für und für Um süßen Minnesold.
Die sechse, die verzehrten dann Zusammen ein gutes Mahl, Und singend kam ein viertes Paar Gesprungen in den Saal.
Willkommen! und Willkommen auch Fürs wackre fünfte Paar, Das voll Geschicht′ und Neuigkeit Und frischer Schwänke war.
Noch blieb für Rätsel, Witz und Geist Und feine Spiele Platz; Ein sechstes Pärchen kam heran, Gefunden war der Schatz.
Doch eines fehlt′ und fehlte sehr, Was doch das Beste tut. Ein zärtlich Pärchen schloß sich an, Ein treues - nun war′s gut.
Gesellig feiert fort und fort Das ungestörte Mahl, Und eins im andern freue sich Der heil′gen Doppelzahl.
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Interpretation
Das Gedicht "Stiftungslied" von Johann Wolfgang von Goethe ist ein geselliges und humorvolles Werk, das die Freude am gemeinsamen Beisammensein und Feiern zelebriert. Es beschreibt eine Gruppe von sechs Paaren, die sich zu einem festlichen Mahl versammeln und dabei ihre jeweiligen Liebschaften und Beziehungen in den Mittelpunkt stellen. Das Gedicht beginnt mit einer Art Einladung an eine schöne Nachbarin, gefolgt von Beschreibungen der amourösen Abenteuer der Brüder und Cousins des Sprechers. Die verschiedenen Paare kommen nacheinander hinzu, jeder mit seinen eigenen Geschichten und Neuigkeiten, und schließlich wird ein zärtliches Paar hinzugefügt, das das Ganze perfekt macht. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zum geselligen Feiern und zur Freude an der heiligen Doppelzahl. Das Gedicht zeichnet sich durch seinen leichten, spielerischen Ton und seine humorvolle Darstellung der amourösen Abenteuer aus. Goethe verwendet eine einfache, aber effektive Sprache, um die verschiedenen Paare und ihre Beziehungen zu beschreiben. Die Wiederholung des Wortes "Paar" und die Aufzählung der sechs Paare verleihen dem Gedicht eine rhythmische Struktur und betonen die Bedeutung der Gemeinschaft und des Beisammenseins. Das Gedicht kann auch als eine Art Parodie auf die traditionellen Liebesgedichte und die Idee der perfekten Liebe interpretiert werden, da es die amourösen Abenteuer der verschiedenen Paare in einem humorvollen Licht darstellt. Das Gedicht "Stiftungslied" ist ein Beispiel für Goethes Fähigkeit, humorvolle und gesellige Gedichte zu schreiben, die die Freude am Leben und am Beisammensein zelebrieren. Es ist ein Werk, das die Leser zum Lachen bringt und sie daran erinnert, wie wichtig es ist, die Gesellschaft anderer zu genießen und das Leben in vollen Zügen zu leben. Das Gedicht ist auch ein Beispiel für Goethes Vielseitigkeit als Dichter, der in der Lage war, in verschiedenen Genres und Stilen zu schreiben, von ernsten philosophischen Werken bis hin zu leichten und humorvollen Gedichten wie diesem.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Gesellig feiert fort und fort
- Anapher
- Was gehst du, schöne Nachbarin, Im Garten so allein? Und wenn du Haus und Felder pflegst, Will ich dein Diener sein.
- Metapher
- Um süßen Minnesold
- Parallelismus
- Mein Bruder schlich zur Kellnerin Und ließ ihr keine Ruh′; Sie gab ihm einen frischen Trunk Und einen Kuß dazu.
- Personifikation
- Und eins im andern freue sich