Stets wandeln wir
1808Stets wandeln wir dem Abgrund dicht, Wo Tief und Dunkel schrecken, Aus dem ein Tod und letzt′ Gericht Die Drachenhälse recken!
Wir wandeln, ahnen nicht Gefahr, So sorglos hin wie Kinder. Da strauchelst du und gleitest gar Und gleitest ab geschwinder!
Jetzt gilt′s! Ist keine Latsche da, An der du dich kannst halten? Umfassen nicht, dem Sturze nah, Dich rettende Gestalten?
Humor, so heißt die Latsche schlicht, Gleich Göttern hochgeboren - erhaschst du sie im Gleiten nicht, Dann, Freund, bist du verloren!
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Interpretation
Das Gedicht "Stets wandeln wir" von Franz Carl Spitzweg beschreibt das Leben als einen gefährlichen Weg am Abgrund entlang. Die "Drachenhälse" symbolisieren dabei die drohenden Gefahren wie Tod und das Jüngste Gericht, die jederzeit zuschlagen können. Die Menschen wandeln ahnungslos dahin, wie sorglose Kinder, bis sie plötzlich straucheln und zu fallen drohen. In der zweiten Strophe gerät der "Wanderer" ins Straucheln und beginnt abzustürzen. Verzweifelt sucht er nach einer Rettung in Form einer "Latsche", an der er sich festhalten kann, oder einer helfenden Hand. Doch die Gefahr ist akut und die Rettung nicht garantiert. Die letzte Strophe offenbart die Lösung: Humor ist die "Latsche", die in der Not Halt geben kann. Der Humor wird dabei als göttlich und erhaben beschrieben. Nur wenn man ihn im entscheidenden Moment ergreifen kann, besteht die Chance, nicht verloren zu sein. Ansonsten droht der endgültige Absturz.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Stets wandeln wir dem Abgrund dicht
- Metapher
- Gleich Göttern hochgeboren
- Personifikation
- Die Drachenhälse recken
- Vergleich
- So sorglos hin wie Kinder