Standesmäßig
1744Einst reist ich durch ein Städtchen fein. Ein schöner Morgen. Die Uhr schlug neun. Das Städtchen fein wolt ich besehn, Hub an Straß auf Straß ab zu gehn. Arbeitsam lärmt der ganze Ort, Es hämmert hier, es klopfet dort, Der trägt das her, der schleppt das hin: Wie wohl ward mir dabei zu Sinn!
Auf grünem Kirchhof blieb ich stehn Und sah ein Haus fast groß und schön, Doch Thür und Fensterladen zu Und alles still in todter Ruh. Ich ruf ein Mädel zu mir hin: »Solch schönes Haus und niemand drin?« Ja wohl! was rechts, beim Element! »Wer wohnt denn da?« - Der Supperindent.
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Interpretation
Das Gedicht "Standesmäßig" von Heinrich Christian Boie beschreibt eine Reise durch ein kleines Städtchen. Der Erzähler beobachtet das geschäftige Treiben und die Geräusche der Arbeit, die ihm ein Wohlgefühl bereiten. Er bleibt auf dem grünen Kirchhof stehen und betrachtet ein fast großes und schönes Haus, das jedoch verschlossen und still ist. Er fragt ein Mädchen, wer in dem Haus wohnt, und erfährt, dass es der Supperindent ist. Das Gedicht zeichnet ein Bild vom Alltag in einem kleinen Städtchen im 18. Jahrhundert. Es zeigt die Kontraste zwischen dem geschäftigen Treiben der Handwerker und dem stillen, verschlossenen Haus des Supperindents. Der Erzähler ist fasziniert von der Ruhe und Stille des Hauses, die im Gegensatz zu der lauten und lebhaften Umgebung steht. Die Figur des Supperindents bleibt geheimnisvoll und rätselhaft. Der Erzähler erfährt nicht, was ein Supperindent ist oder welche Aufgaben er hat. Das Gedicht lässt den Leser über die Rolle und Bedeutung des Supperindents im Städtchen nachdenken. Es könnte sich um einen Beamten oder einen wohlhabenden Bürger handeln, der sich von der übrigen Bevölkerung abhebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Arbeitsam lärmt der ganze Ort, Es hämmert hier, es klopfet dort
- Ironie
- Ja wohl! was rechts, beim Element! / Wer wohnt denn da? - Der Supperindent
- Kontrast
- Das Städtchen fein wolt ich besehn / Doch Thür und Fensterladen zu Und alles still in todter Ruh
- Personifikation
- Doch Thür und Fensterladen zu Und alles still in todter Ruh
- Wiederholung
- Straß auf Straß