Ständchen

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Mach auf, mach auf! Doch leise, mein Kind, Um keinen vom Schlummer zu wecken! Kaum murmelt der Bach, kaum zittert im Wind Ein Blatt an den Büschen und Hecken; Drum leise, mein Mädchen, daß nichts sich regt, Nur leise die Hand auf die Klinke gelegt!

Mit Tritten, wie Tritte der Elfen so sacht, Die über die Blumen hüpfen, Flieg leicht hinaus in die Mondscheinnacht, Zu mir in den Garten zu schlüpfen! Rings schlummern die Blüten am rieselnden Bach Und duften im Schlaf; nur die Liebe ist wach!

Sitz nieder! Hier dämmert′s geheimnisvoll Unter den Lindenbäumen. Die Nachtigall uns zu Häupten soll Von unseren Küssen träumen Und die Rose, wenn sie am Morgen erwacht, Hoch glühn von den Wonneschauern der Nacht.

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Illustration zu Ständchen

Interpretation

Das Gedicht "Ständchen" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist ein romantisches Gedicht, das die Sehnsucht und die zärtliche Anziehungskraft der Liebe in der Nacht darstellt. Der Sprecher bittet sein geliebtes Mädchen, leise aufzumachen und sich zu ihm in den Garten zu schleichen, ohne jemanden zu wecken. Die Atmosphäre ist von Ruhe und Stille geprägt, wobei die Natur selbst zu schlummern scheint, während die Liebe wach bleibt. Die zweite Strophe beschreibt die behutsame und fast magische Art, wie das Mädchen sich dem Sprecher nähern soll. Die Tritte sollen so sanft sein wie die der Elfen, und die Nacht ist erfüllt von Mondschein und dem Duft schlafender Blumen. Die Natur wird als ein stiller, duftender Ort dargestellt, der die heimliche Begegnung umgibt. In der dritten Strophe lädt der Sprecher das Mädchen ein, sich unter den Lindenbäumen niederzulassen, wo die Atmosphäre geheimnisvoll und romantisch ist. Die Nachtigall und die Rose werden als Zeugen ihrer Liebe dargestellt, die von den Küssen träumen und von der Leidenschaft der Nacht glühen werden. Das Gedicht endet mit einer lebendigen Vorstellung der Natur, die durch die Liebe des Paares erweckt wird.

Schlüsselwörter

leise mach kaum bach kind keinen schlummer wecken

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Stilmittel

Alliteration
Kaum murmelt der Bach, kaum zittert im Wind
Bildsprache
Sitz nieder! Hier dämmert's geheimnisvoll
Metapher
Und die Rose, wenn sie am Morgen erwacht
Personifikation
Hoch glühn von den Wonneschauern der Nacht
Vergleich
Mit Tritten, wie Tritte der Elfen so sacht