Stadt

Jakob van Hoddis

1887

Wie schön ist diese stolze Stadt der Gierde! Ihr Elend und geschmähter Überfluss Und schwerer Straßen sehr verzerrte Zierde.

Schamloser Tag entdeckt dir die Konturen. Die Häuser stehn befleckt mit Staub und Ruß, Es flirrt um Eilende und Wagenhaufen Furchtsame Weiber, Männer, blasse Huren …

Ich starre lange in die schnelle Pracht Ein Dumpfes ahnend drunten im Gedränge - Ich weiß, wie sie des blöden Tages Strenge Gewaltig preisen: dass er herrschen macht.

(Es zieht sie nur zur wohlumbauten Enge.)

Komm! Lass uns warten auf die kranke Nacht Der schweren dröhnenden Gedankenpränge.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Stadt

Interpretation

Das Gedicht "Stadt" von Jakob van Hoddis beschreibt die Schönheit und den Stolz einer Stadt, die von Gier und Überfluss geprägt ist. Die Stadt wird als ein Ort des Elends und der geschmähter Zierde dargestellt, wo die Straßen verzerrt und befleckt sind. Der Tag entdeckt die Konturen der Häuser, die mit Staub und Ruß bedeckt sind. Die Stadt ist voller Eilender und Wagenhaufen, ängstliche Frauen, Männer und blasse Huren. Der Sprecher des Gedichts starrt lange auf die schnelle Pracht der Stadt und ahnt etwas Dumpfes im Gedränge. Er weiß, wie die Menschen die Strenge des Tages preisen und wie sie durch sie herrschen. Die Stadt zieht sie nur zur wohlumbauten Enge. Der Sprecher schlägt vor, auf die kranke Nacht zu warten, die von schweren und dröhnenden Gedanken geprägt ist. Das Gedicht vermittelt eine düstere und kritische Sicht auf die Stadt als Ort der Gier und des Elends. Es zeigt die Auswirkungen des Tages auf die Menschen und ihre Beziehung zur Stadt. Die Nacht wird als Zuflucht vor dem Tagesgeschehen und als Ort des Nachdenkens und der Kontemplation dargestellt.

Schlüsselwörter

schön stolze stadt gierde elend geschmähter überfluss schwerer

Wortwolke

Wortwolke zu Stadt

Stilmittel

Alliteration
Schwerer Straßen sehr verzerrte Zierde
Bildsprache
Die Häuser stehn befleckt mit Staub und Ruß
Enjambement
Ich starre lange in die schnelle Pracht Ein Dumpfes ahnend drunten im Gedränge
Hyperbel
Es flirrt um Eilende und Wagenhaufen
Kontrast
Ihr Elend und geschmähter Überfluss
Metapher
Der schweren dröhnenden Gedankenpränge
Personifikation
Schamloser Tag entdeckt dir die Konturen
Symbolik
Komm! Lass uns warten auf die kranke Nacht