Stadt

Paul Boldt

1885

Unsere Stadt ist gar nicht absolut. In die roten, gefleckten Wolkenmassen Sinken die Häuser abends wie zerlassen. Voller Detail. Straßen und Lampenflut.

Behändetes Café voll Köpfen kocht. Im Rock aus Schrei steht Litfaßsäule steif. Wind fliegt vorbei als dunkler Pferdeschweif. Und Hurenlächeln brennt am Kleiderdocht.

Tagestrottoir beschreiten dunkel Träger. Kleider mit alten Flecken roten Munds. Antlitz, auf Hirn gefaltet, friert blutlos.

Ach: nahten reicherblutig Wälder uns Der Stadt entschritten! Und wärmend und bloß Himmel der Farbige, der blaue Neger.

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Illustration zu Stadt

Interpretation

Das Gedicht "Stadt" von Paul Boldt beschreibt die Atmosphäre einer Stadt in der Abenddämmerung. Die Stadt wird als nicht absolut dargestellt, was darauf hindeutet, dass sie eine flüchtige und vergängliche Natur hat. Die roten, gefleckten Wolkenmassen und die Häuser, die abends wie zerlassen in sie sinken, vermitteln ein Bild von Verfall und Auflösung. Die Details der Stadt, wie Straßen und Lampenflut, werden erwähnt, aber sie scheinen in den Hintergrund zu treten. Der zweite Teil des Gedichts fokussiert auf die lebendigen und belebten Aspekte der Stadt. Das Café wird als behänd und voller Köpfe beschrieben, was auf eine geschäftige Atmosphäre hinweist. Die Litfaßsäule steht steif im Rock aus Schrei, was auf die Präsenz von Werbung und Lärm hindeutet. Der Wind wird als dunkler Pferdeschweif beschrieben, der vorbeifliegt, und das Lächeln der Huren brennt am Kleiderdocht, was auf die sexuelle Unterwelt der Stadt anspielt. Der dritte Teil des Gedichts beschreibt die Menschen in der Stadt. Die Träger beschreiten das Tagestrottoir dunkel, was auf eine triste und müde Stimmung hindeutet. Die Kleider der Menschen sind mit alten Flecken des roten Mundes versehen, was auf Ausschweifung und Ausschweifung hindeutet. Die Gesichter sind auf das Hirn gefaltet und frieren blutlos, was auf eine emotionale Kälte und Distanzierung hindeutet. Der letzte Teil des Gedichts drückt den Wunsch nach einer Rückkehr zur Natur aus. Der Dichter sehnt sich nach den reicherblutigen Wäldern, die sich der Stadt nähern würden. Er wünscht sich einen Himmel, der die Farbe eines blauen Negers hat, was auf eine Sehnsucht nach Wärme, Lebendigkeit und Exotik hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein ambivalentes Bild der Stadt, das sowohl ihre Anziehungskraft als auch ihre Entfremdung und Kälte einfängt.

Schlüsselwörter

stadt roten gar absolut gefleckten wolkenmassen sinken häuser

Wortwolke

Wortwolke zu Stadt

Stilmittel

Metapher
Himmel der Farbige, der blaue Neger
Personifikation
Behändetes Café voll Köpfen kocht
Vergleich
Wind fliegt vorbei als dunkler Pferdeschweif