Stadt am See (Konstanz)

Stefan Zweig

1881

Schon fern, in dämmernder Verschönung  Die ernste Linie einer deutschen Stadt,  Geschmiegt in Wolken von so zarter Tönung,  Wie sie allein der Juniabend hat. Im Uferpark Musik aus dunklen Lauben,  Ein Lied: kennst du das alte Lied nicht mehr?  So lieb, so trüb wie Saft aus schweren Trauben  Ganz langsam quillt das Lied die Wellen her. Da klingt dein Herz, als ob es Heimweh hätte,  Und sieht doch diese Stadt zum erstenmal,  Zum erstenmal die dunkle Silhouette,  Die schleiernd tränt im fahlen Mondenstrahl.

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Illustration zu Stadt am See (Konstanz)

Interpretation

Das Gedicht "Stadt am See (Konstanz)" von Stefan Zweig beschreibt die melancholische Stimmung einer Stadt am Abend im Juni. Die Stadt erscheint in einer "dämmernder Verschönung" und ist von Wolken in zarter Tönung umgeben, die nur ein Juniabend hervorbringen kann. Die Musik aus dunklen Lauben im Uferpark trägt zur Stimmung bei, ein altes Lied erklingt und breitet sich langsam wie Saft aus schweren Trauben auf den Wellen aus. Die Stadt weckt beim Betrachter ein Gefühl von Heimweh, obwohl er sie zum ersten Mal sieht. Die Silhouette der Stadt erscheint dunkel und schleiernd, als ob sie im fahlen Mondenstrahl tränt. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Sehnsucht und Melancholie, die durch die Abenddämmerung, die Musik und die Silhouette der Stadt hervorgerufen wird. Die Sprache des Gedichts ist poetisch und bildhaft. Der Autor verwendet Metaphern wie "Saft aus schweren Trauben" und "schleiernd tränend", um die Stimmung und die Atmosphäre der Stadt zu beschreiben. Das Gedicht vermittelt ein Gefühl von Vertrautheit und Fremdheit zugleich, da der Betrachter Heimweh empfindet, obwohl er die Stadt zum ersten Mal sieht.

Schlüsselwörter

lied stadt erstenmal fern dämmernder verschönung ernste linie

Wortwolke

Wortwolke zu Stadt am See (Konstanz)

Stilmittel

Alliteration
Saft aus schweren Trauben
Bildlichkeit
Zum erstenmal die dunkle Silhouette, Die schleiernd trännt im fahlen Mondenstrahl
Hyperbel
Ganz langsam quillt das Lied die Wellen her
Metapher
Die ernste Linie einer deutschen Stadt
Personifikation
Geschmiegt in Wolken von so zarter Tönung