Sprüche
1807Freue dich au Formen, Tönen, Lausche, wenn ein Dichter spricht, Labe deinen Geist am Schönen, Aber Schöngeist werde nicht!
Das Leben ist schwer, das will Bedacht; Vor dir besonders nimm dich in Acht!
Was schützt vor ungerader Bahn, Bewahrt vor Lügen und Trügen? Lüg’ allererst dich selbst nicht an, Wirst Andre nicht belügen.
Jung sein ist Glück und vergeht wie Dunst, Jung bleiben ist mehr und ist eine Kunst.
Wenn Gift und Galle die Welt dir beut Und du möchtest das Herz dir gesund bewahren: Mach’ Andern Freude! Du wirst erfahren, Daß Freude freut.
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Interpretation
Das Gedicht "Sprüche" von Friedrich Theodor Vischer thematisiert die Bedeutung von Schönheit und Kunst im Leben, warnt jedoch gleichzeitig vor oberflächlichem Schöngeist. Es ermutigt dazu, sich an Formen und Tönen zu erfreuen, den Worten eines Dichters zu lauschen und den Geist an Schönem zu laben, betont aber, dass man nicht zum reinen Schöngeist werden sollte. Das Leben wird als schwer und bedacht erfordern dargestellt, wobei besonders auf sich selbst geachtet werden sollte. Vischer gibt Ratschläge für ein ehrliches und aufrichtiges Leben. Er betont, dass der beste Schutz vor einem ungeraden Weg und vor Lügen darin besteht, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Wer sich selbst nicht anlügt, wird auch andere nicht belügen. Der Dichter kontrastiert zudem die vergängliche Natur der Jugend mit der Kunst, jung zu bleiben, und deutet an, dass das Bewahren jugendlicher Eigenschaften eine wertvolle Fähigkeit ist. Abschließend bietet das Gedicht einen Rat zur Bewahrung eines gesunden Herzens in einer Welt voller Gift und Galle. Vischer empfiehlt, anderen Freude zu bereiten, da dies eine reziproke Wirkung hat – Freude erfreut. Diese abschließende Aussage unterstreicht die Bedeutung von positiven Handlungen und deren Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden sowie auf das der anderen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Freue dich au Formen, Tönen
- Hyperbel
- Jung bleiben ist mehr und ist eine Kunst
- Imperativ
- Freue dich au Formen, Tönen, Labe deinen Geist am Schönen
- Paradox
- Daß Freude freut
- Personifikation
- Wenn Gift und Galle die Welt dir beut