Spruch

Erich Kurt Mühsam

1920

Wenn ihr mich weinen seht, fragt nicht, warum. Leid, das in Tränen steht, tröstet sich stumm.

Wenn ihr mich fluchen hört, stimmt mich nicht mild. Zorn, der sich laut empört, schmilzt, wenn er schilt.

Doch wenn ich trink und lach, lad ich euch ein. Freude wird grau und schwach, bleibt sie allein.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Spruch

Interpretation

Das Gedicht "Spruch" von Erich Kurt Mühsam thematisiert die emotionale Verfassung des lyrischen Ichs und die Art und Weise, wie es mit verschiedenen Gefühlen umgeht. In den ersten beiden Strophen wird beschrieben, wie das lyrische Ich auf Trauer und Zorn reagiert. Wenn es weint, möchte es nicht gefragt werden, warum es traurig ist, denn Tränen sind ein stiller Trost. Ähnlich verhält es sich mit dem Zorn, der sich lautstark entlädt, aber durch das Schimpfen selbst wieder abklingt. In der dritten Strophe wendet sich das Gedicht der Freude zu. Hier wird deutlich, dass das lyrische Ich seine Freude mit anderen teilen möchte. Es lädt die Leser ein, mit ihm zu trinken und zu lachen. Die Freude wird als etwas beschrieben, das ohne Gesellschaft grau und schwach wird. Dies unterstreicht die Bedeutung von zwischenmenschlicher Verbundenheit und dem Teilen positiver Emotionen. Das Gedicht vermittelt insgesamt die Botschaft, dass das lyrische Ich unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf seine Gefühle hat. Während es bei Trauer und Zorn eher alleine gelassen werden möchte, sehnt es sich bei Freude nach Gesellschaft. Dies spiegelt die menschliche Natur wider, die sowohl das Bedürfnis nach Rückzug als auch nach sozialer Interaktion kennt. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die eigene emotionale Verarbeitung und den Umgang mit den Gefühlen anderer an.

Schlüsselwörter

weinen seht fragt warum leid tränen steht tröstet

Wortwolke

Wortwolke zu Spruch

Stilmittel

Anapher
Wenn ihr mich fluchen hört, stimmt mich nicht mild. Zorn, der sich laut empört, schmilzt, wenn er schilt.
Kontrast
Wenn ihr mich trink und lach, lad ich euch ein. Freude wird grau und schwach, bleibt sie allein.
Personifikation
Freude wird grau und schwach, bleibt sie allein.