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Spruch des Konfuzius

Von

Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit.

Keine Ungeduld beflügelt
Ihren Schritt, wenn sie verweilt.
Keine Furcht, kein Zweifeln zügelt
Ihren Lauf, wenn sie enteilt.
Keine Reu, kein Zaubersegen
Kann die Stehende bewegen.

Möchtest du beglückt und weise
Endigen des Lebens Reise,
Nimm die Zögernde zum Rat,
Nicht zum Werkzeug deiner Tat.
Wähle nicht die Fliehende zum Freund,
Nicht die Bleibende zum Feind.

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Gedicht: Spruch des Konfuzius von Friedrich Schiller

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Spruch des Konfuzius“ von Friedrich Schiller ist eine tiefgründige Reflexion über das Wesen der Zeit und ihren Einfluss auf das menschliche Dasein. Schiller greift hier die Lehren des Konfuzius auf, um eine zeitlose Botschaft über Weisheit, Glück und die richtige Haltung gegenüber den verschiedenen Zeitebenen – Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit – zu vermitteln. Die zentrale Metapher ist der „Schritt der Zeit“, der in seiner dreifachen Gestalt – zögernd, pfeilschnell und ewig still – die verschiedenen menschlichen Erfahrungen und Möglichkeiten widerspiegelt.

Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Charaktere der drei Zeitebenen. Die Zukunft, die „zögernd“ kommt, steht für die noch unbestimmte, ungewisse Möglichkeit. Die Gegenwart, „pfeilschnell“ entfliehend, symbolisiert den flüchtigen Moment, der rasch vorübergeht. Die Vergangenheit, „ewig still stehend“, repräsentiert das Unveränderliche, die Summe aller Erlebnisse und Erfahrungen, die nicht mehr zu beeinflussen sind. Schiller betont die Unaufhaltsamkeit der Zeit, die sich weder von Ungeduld noch von Furcht oder Reue aufhalten lässt. Diese Beschreibung unterstreicht die Vergänglichkeit des Lebens und die Notwendigkeit, die richtige Haltung zur Zeit zu entwickeln.

Der zweite Teil des Gedichts enthält die eigentliche Moral der Geschichte, die sich in den Ratschlägen für ein erfülltes Leben manifestiert. Schiller empfiehlt, die „Zögernde“ – also die Zukunft – als Ratgeberin, nicht als Werkzeug für vorschnelle Handlungen zu betrachten. Dies deutet auf die Bedeutung der Planung, der Überlegung und der bewussten Gestaltung der eigenen Zukunft hin. Weiterhin wird davor gewarnt, die „Fliehende“ – die Gegenwart – zum Freund zu wählen oder die „Bleibende“ – die Vergangenheit – zum Feind zu erklären. Diese Zeilen implizieren die Notwendigkeit, im Hier und Jetzt präsent zu sein, die flüchtigen Momente zu schätzen und gleichzeitig die Erfahrungen der Vergangenheit anzunehmen, ohne in Reue oder Nostalgie zu verharren.

Insgesamt ist „Spruch des Konfuzius“ ein Gedicht, das zur Besonnenheit, zur Reflexion und zur bewussten Lebensgestaltung aufruft. Es erinnert den Leser daran, die Zeit in ihrer Gesamtheit zu verstehen und sich nicht von ihren verschiedenen Facetten beherrschen zu lassen. Durch die Übernahme der Lehren des Konfuzius, vermittelt Schiller hier eine zeitlose Weisheit, die uns dazu anregen kann, ein erfüllteres und weiseres Leben zu führen, indem wir die Zukunft sorgfältig planen, die Gegenwart bewusst erleben und die Vergangenheit ohne Bedauern annehmen. Die Einfachheit der Sprache und die klare Struktur des Gedichts tragen dazu bei, dass diese philosophische Botschaft für den Leser leicht zugänglich und verständlich wird.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.