Spielgenossen

Auguste Kurs

1919

Waren fast an hundert Kinder, Spielten fröhlich sonder Harm, Schön und lieblich mehr und minder, Mehr und minder reich und arm. Was wir nicht getrieben haben, Aug′ und Herz in freud′ger Gluth! Waren oft gar wilde Knaben, Recht voll frischem Jugendmuth.

Weh! die Zeiten sind verflossen, Langer Raum trennt sie von heut, Und die fröhlichen Genossen, Ferne sind sie und zerstreut. Mancher ist emporgetragen Von des Lebens Wellenspiel, Manchen führt ein nied′rer Wagen Ärmlich zu dem frühen Ziel.

Mancher ringt und strebt vergebens - Mancher, sorglos und geehrt, Fand die Güter dieses Lebens Ungesucht, fast unbegehrt. Hier weilt der und dort ein Andrer; Mögen sie sich ferne sein - Mächt′ger Herr und armer Wandrer, Eines haben sie gemein.

Aus des Lebens Treiben schauet, Der von Höh′n aus Tiefen der, Auf das Grün, das überthauet, Schimmert aus der Jugend her. Auf das frische Grün am Morgen, Wo in sel′ger Knabenzeit, Nur der Jugend unverborgen, Blüth′ an Blüthe sich gereiht.

Aller Blicke, sie begegnen Sich an diesem schönen Ziel, Die erstarrten Herzen segnen Noch der Jugend frohes Spiel. Selbst der Schläfer tief im Grabe, Nimmt gewiß zum Himmelsraum, Aus der Zeit, wo er noch Knabe, Einen süßen Kindertraum.

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Illustration zu Spielgenossen

Interpretation

Das Gedicht "Spielgenossen" von Auguste Kurs thematisiert die Vergänglichkeit der Jugend und die unterschiedlichen Lebenswege, die ehemalige Spielgefährten einschlagen. Es beginnt mit einer lebendigen Erinnerung an die gemeinsame Kindheit, in der Kinder verschiedener Herkunft und Charaktere fröhlich und unbeschwert zusammen spielten. Diese Zeit wird als eine Phase reiner Freude und unverfälschten Mutes beschrieben, in der die Kinder "oft gar wilde Knaben" waren, voller "frischem Jugendmuth". Im zweiten Teil des Gedichts wird der Kontrast zwischen der vergangenen sorglosen Zeit und der Gegenwart deutlich. Die Jahre sind vergangen, und die einstigen Spielkameraden sind nun weit verstreut und führen unterschiedliche Leben. Einige haben es zu Reichtum und Ansehen gebracht, während andere ein bescheidenes oder sogar armes Dasein führen. Trotz dieser Unterschiede im Lebensweg verbindet alle eine gemeinsame Erinnerung an ihre Jugend, symbolisiert durch das "frische Grün am Morgen", das als Metapher für die Unschuld und Schönheit der Kindheit steht. Das Gedicht schließt mit der Erkenntnis, dass diese gemeinsame Erinnerung an die Jugend eine verbindende Kraft ist, die selbst über den Tod hinauswirkt. Die "erstarrten Herzen" und sogar die "Schläfer tief im Grabe" werden durch die Erinnerung an das "frohe Spiel" der Jugend berührt und gesegnet. Der "süße Kindertraum" bleibt ein unvergänglicher Teil ihrer Existenz, der Trost und Verbundenheit bietet, unabhängig von den individuellen Lebensumständen oder dem Schicksal, das sie ereilt hat.

Schlüsselwörter

ger mancher lebens jugend fast mehr minder ferne

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Blüth′ an Blüthe sich gereiht
Anapher
Mancher ist emporgetragen / Mancher führt ein nied′rer Wagen
Bildsprache
Auf das Grün, das überthauet
Hyperbel
Waren fast an hundert Kinder
Kontrast
Mächt′ger Herr und armer Wandrer
Metapher
Selbst der Schläfer tief im Grabe
Parallelismus
Mehr und minder reich und arm
Personifikation
Die erstarrten Herzen segnen
Symbolik
Der Jugend frohes Spiel