Spaziergang

Klabund

1890

Über uns will es sich in den Zweigen regen, Und ein hübscher Vogel macht sich plusternd breit. Wird er jetzt wohl Eier legen Oder was ist seine Tätigkeit?

Plötzlich hat′s auf der erhobenen Stirne Irgendwie und irgendwo geklext, Und von einem Stoff, der - hm - in keines Menschen Hirne, Sondern (vorher) auf den Feldern wächst.

War das eines Geistes mahnend ernste Stimme? Oder war′s ein leises Scherzo nur? Zwiegeteilt in bodenlosem Grimme, Flieht man die ungastliche Natur.

Und man fragt sich, während man so wandelt: Ist denn das gerecht, Daß die Kreatur derartig unanständig handelt, Wenn verehren man und preisen möcht′?

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Illustration zu Spaziergang

Interpretation

Das Gedicht "Spaziergang" von Klabund beschreibt einen Spaziergang, bei dem der Erzähler und sein Begleiter von einem Vogel und einem Vogelkot auf der Stirn überrascht werden. Das Gedicht hat einen humorvollen und ironischen Ton und thematisiert die unerwarteten und manchmal unangenehmen Aspekte der Natur. Im ersten Teil des Gedichts wird ein Vogel vorgestellt, der sich auf einem Ast niederlässt. Der Erzähler fragt sich, was der Vogel wohl tun wird, ob er Eier legt oder etwas anderes tut. Dies deutet auf eine naive und romantisierende Sicht der Natur hin, bei der man die Tiere als niedlich und harmlos betrachtet. Im zweiten Teil des Gedichts wird der Erzähler von einem Vogelkot auf der Stirn getroffen. Der Erzähler fragt sich, ob dies eine ernste Mahnung der Natur oder nur ein Scherz war. Er beschreibt den Vogelkot als einen Stoff, der auf den Feldern wächst und nicht in den Köpfen der Menschen. Dies deutet auf eine kritische Sicht der Natur hin, bei der man ihre Unberechenbarkeit und ihre manchmal unangenehmen Seiten akzeptieren muss. Im dritten Teil des Gedichts fliehen der Erzähler und sein Begleiter vor der Natur, die sie als ungastlich empfinden. Sie fragen sich, ob es gerecht ist, dass die Tiere sich so anstößig verhalten, wenn man sie verehren und preisen möchte. Dies deutet auf eine Enttäuschung und Frustration über die Natur hin, die nicht den menschlichen Erwartungen entspricht.

Schlüsselwörter

will zweigen regen hübscher vogel macht plusternd breit

Wortwolke

Wortwolke zu Spaziergang

Stilmittel

Alliteration
Stoff, der - hm - in keines Menschen Hirne
Bildsprache
Plötzlich hat's auf der erhobenen Stirne Irgendwie und irgendwo geklext
Hyperbel
Zwiegeteilt in bodenlosem Grimme
Ironie
Und man fragt sich, während man so wandelt: Ist denn das gerecht, Daß die Kreatur derartig unanständig handelt, Wenn verehren man und preisen möcht'?
Kontrast
War das eines Geistes mahnend ernste Stimme? Oder war's ein leises Scherzo nur?
Metapher
Von einem Stoff, der - hm - in keines Menschen Hirne, Sondern (vorher) auf den Feldern wächst
Personifikation
Über uns will es sich in den Zweigen regen
Rhetorische Frage
Wird er jetzt wohl Eier legen Oder was ist seine Tätigkeit?