Spanische Tänzerin
1875Wie in der Hand ein Schwefelzündholz, weiß, eh es zu Flamme kommt, nach allen Seiten zuckende Zungen streckt -: beginnt im Kreis naher Beschauer hastig, hell und heiß ihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten. Und plötzlich ist er Flamme, ganz und gar. Mit einem Blick entzündet sie ihr Haar und dreht auf einmal mit gewagter Kunst ihr ganzes Kleid in diese Feuersbrunst, aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken, die nackten Arme wach und klappernd strecken. Und dann: als würde ihr das Feuer knapp, nimmt sie es ganz zusamm und wirft es ab sehr herrisch, mit hochmütiger Gebärde und schaut: da liegt es rasend auf der Erde und flammt noch immer und ergibt sich nicht -. Doch sieghaft, sicher und mit einem süßen grüßenden Lächeln hebt sie ihr Gesicht und stampft es aus mit kleinen festen Füßen.
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Interpretation
Das Gedicht "Spanische Tänzerin" von Rainer Maria Rilke beschreibt die leidenschaftliche und intensive Darbietung einer Tänzerin. Der Vergleich mit einem Schwefelzündholz, das zu Flamme kommt und zuckende Zungen streckt, verdeutlicht die plötzliche und explosive Entfaltung des Tanzes. Die Tänzerin entzündet mit einem Blick ihr Haar und dreht ihr Kleid in eine Feuersbrunst, aus der sich ihre nackten Arme wie erschreckte Schlangen strecken. Dies symbolisiert die wilde und ungezähmte Natur des Tanzes. Die Tänzerin wirkt wie eine Herrscherin über das Feuer, das sie selbst entfacht hat. Sie nimmt es zusammen und wirft es mit einer herrischen und hochmütigen Geste ab. Das Feuer liegt rasend auf der Erde und will sich nicht ergeben, doch die Tänzerin bleibt sieghaft und sicher. Sie hebt ihr Gesicht mit einem süßen, grüßenden Lächeln und stampft das Feuer mit ihren kleinen, festen Füßen aus. Dies zeigt ihre Kontrolle und Überlegenheit über die wilde Kraft, die sie selbst entfesselt hat. Das Gedicht vermittelt die Faszination und die Gefahr, die von der Tänzerin ausgehen. Sie ist eine faszinierende und beängstigende Gestalt, die die Kontrolle über das Feuer und den Tanz hat. Die Tänzerin verkörpert die Leidenschaft, die Intensität und die Zerstörungskraft des Tanzes. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Schönheit und die Anmut, mit der sie ihre Kunst beherrscht. Das Gedicht ist ein Loblied auf die faszinierende und geheimnisvolle Welt des Tanzes und der Tänzerin.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- ihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten
- Metapher
- sieghaft, sicher und mit einem süßen grüßenden Lächeln hebt sie ihr Gesicht
- Personifikation
- da liegt es rasend auf der Erde und flammt noch immer und ergibt sich nicht
- Vergleich
- aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken