Spätsommerstimmung
1864In regungslosem Brüten schleiern Meer und Himmel, eintönig grau, wie blindgewordene Spiegel, und re- gungslos dazwischen steht das Land. Eine Menge Licht ist in der Luft; ein Licht jedoch, das keine Schatten hat, gleichmäßig und zerteilt, so daß man kaum erkennt, obs Mittag oder Abend und wo die Sonne steht. Die Oie hängt wie ein rötlich Wolkenbild im Dunst und ein paar Boote mit kupfergelben Segeln kriechen an ihm hin, gleich großen Motten, die an einer Fen- sterscheibe aufwärts wollen. Nun taucht ein Dampfer aus der Tiefe und langhin ballt sein Rauch in runden dunkeln Wolken sich aufs Wasser. Kein Laut, kein Ton! Mit dumpfem Schlafe liegt der Sommer im Gelände und alles halbbeklommen hält den Atem an, als müsse jeden Augenblick ein … Klang, ein … Ruf, ein … Schrei dies Schweigen bre- chen.
Und plötzlich fallen große schwere Tropfen.
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Interpretation
Das Gedicht "Spätsommerstimmung" von Cäsar Flaischlen schildert eine Stimmung der Trägheit und Stille, die den Spätsommer prägt. Meer, Himmel und Land verschmelzen in einer eintönigen, grauen Farbe, die an blinde Spiegel erinnert. Das Licht ist diffus und schattenlos, sodass die Tageszeit kaum erkennbar ist. Die Oie erscheint wie ein rötlicher Wolkenfleck im Dunst, während Boote mit kupfergelben Segeln langsam vorbeiziehen wie große Motten. Die Stille wird durch das Erscheinen eines Dampfers unterbrochen, dessen Rauch sich in runden, dunklen Wolken auf dem Wasser ausbreitet. Die Natur scheint in einen dumpfen Schlaf versunken, der Sommer liegt bewegungslos im Gelände. Alles hält den Atem an, als ob jeder Moment von einem Klang, einem Ruf oder einem Schrei durchbrochen werden könnte. Doch plötzlich fällt schwerer Regen, der die Stille auf eine andere Weise durchbricht. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Erwartung und der latenten Spannung, die in der Natur vorherrschen kann. Es beschreibt die Schönheit und die Melancholie des Spätsommers, der am Übergang zum Herbst steht und eine besondere Atmosphäre der Ruhe und des Innehaltens ausstrahlt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Klang, ein ... Ruf, ein ... Schrei
- Enjambement
- und re- / ngungslos dazwischen steht das Land
- Metapher
- Der Sommer im Gelände
- Personifikation
- In regungslosem Brüten schleiern Meer und Himmel
- Vergleich
- ein paar Boote mit kupfergelben Segeln kriechen an ihm hin, gleich großen Motten