Spät

Ferdinand Hardekopf

1921

Der Mittag ist so karg erhellt. Ein dunkler See sinkt in sein Grab. Dies ist das letzte Licht der Welt, Das bleichste Glimmen, das es gab.

Aus Sümpfen schwankt Gestrüpp und Baum. Die Birken-Nerven ästeln weh. Die Zeit erblasst, es krankt der Raum. Es gilbt das Schilf im toten See.

Die Luft strömt grau ins Mündungs-All. Der Rabe schreit. Der Wald schläft ein. Mich trennt ein rascher Tränenfall Vom Ende und der Flammenpein.

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Illustration zu Spät

Interpretation

Das Gedicht "Spät" von Ferdinand Hardekopf thematisiert einen Abend oder eine späte Tageszeit, in der die Natur in eine düstere, fast krankhafte Stimmung übergeht. Der erste Abschnitt beschreibt eine karge, erloschene Mittagszeit, die in ein Grab sinkt, was auf das Ende oder den Tod hindeutet. Das Licht wird als das letzte und bleichste der Welt beschrieben, was eine Atmosphäre der Endgültigkeit und des Verfalls schafft. Im zweiten Abschnitt wird die Natur als krank und verwelkend dargestellt. Der Sumpf und das Gestrüpp schaukeln, die Birkenäste zittern schmerzhaft, und die Zeit selbst erbleicht. Der tote See und das gelbliche Schilf verstärken das Bild einer sterbenden oder bereits toten Landschaft. Diese Beschreibungen vermitteln ein Gefühl von Verfall und dem nahenden Ende. Der letzte Abschnitt führt den Sprecher selbst in die Szene ein. Die graue Luft strömt in einen Fluss oder eine Mündung, und der Rabe schreit, was oft als Zeichen des Unheils oder des Todes gilt. Der Wald schläft ein, was auf eine tiefe, vielleicht ewige Ruhe hindeutet. Der Sprecher wird durch einen schnellen Tränenfall von Ende und Flammenpein getrennt, was auf eine emotionale Distanzierung oder einen Abschied von Schmerz und Leid hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Stimmung der Resignation und des Abschieds von der Welt.

Schlüsselwörter

see mittag karg erhellt dunkler sinkt grab letzte

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Stilmittel

Alliteration
Die Birken-Nerven ästeln weh
Bildlichkeit
Das bleichste Glimmen, das es gab
Hyperbel
Dies ist das letzte Licht der Welt
Metapher
Mich trennt ein rascher Tränenfall
Personifikation
Der Wald schläft ein
Symbolik
Es gilbt das Schilf im toten See