Sonnwendabend
1904Die Sträucher ducken fiebernd sich zusammen im Rieseln brauner Schleier und im Schwanken nachtbleicher Falter um erglühte Ranken. Nun schüren wir das falbe Laub zu Flammen
und feiern wiegend in verlornen Tänzen und Liedern· die im lauen Duft verfluten· den flüchtigen Rausch der sommerlichen Gluten und Mädchen weich das Haar genetzt mit Kränzen
und strahlend bleich im schwebenden Gefunkel streun brennend dunklen Mohn und blasse Nelken. Und bebend fühlen wir den Abend welken. Und wilder glühn die Feuer in das Dunkel.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonnwendabend" von Ernst Stadler beschreibt eine sommerliche Nacht, in der sich die Natur auf den Sonnenwendtag vorbereitet. Die Sträucher und Pflanzen werden als fieberhaft und unruhig dargestellt, während die Menschen das Laub verbrennen und in verlorenen Tänzen und Liedern den flüchtigen Rausch der sommerlichen Glut feiern. Die zweite Strophe zeigt die Menschen in ihrer sommerlichen Feierlichkeit. Mädchen tragen Kränze im Haar und tanzen zu Musik, die im lauen Duft verflutet. Die Atmosphäre ist von einem brennenden, flüchtigen Rausch erfüllt, der die Sommerhitze symbolisiert. Die dritte Strophe beschreibt die fortschreitende Nacht und den Übergang zum Abend. Die Menschen spüren, wie der Abend welkt und die Feuer im Dunkel wilder glühen. Die Stimmung ist von einer Mischung aus Feierlichkeit und Melancholie geprägt, da der Sommer langsam zu Ende geht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- erglühte Ranken
- Bildsprache
- Mädchen weich das Haar genetzt mit Kränzen
- Metapher
- Feuer in das Dunkel
- Personifikation
- fühlen wir den Abend welken
- Vergleich
- nachtbleicher Falter