Sonntag
1788Die Nacht war kaum verblühet, Nur eine Lerche sang Die stille Luft entlang. Wen grüßt sie schon so frühe?
Und draußen in dem Garten Die Bäume übers Haus Sahn weit ins Land hinaus, Als ob sie wen erwarten.
In festlichen Gewanden Wie eine Kinderschar, Tauperlen in dem Haar, Die Blumen alle standen.
Ich dacht: ihr kleinen Bräute, Was schmückt ihr euch so sehr? - Da blickt′ die eine her: »Still, still, ′s ist Sonntag heute.«
»Schon klingen Morgenglocken, Der liebe Gott nun bald Geht durch den stillen Wald.« Da kniet ich froherschrocken.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonntag" von Joseph von Eichendorff beschreibt einen ruhigen, frühen Sonntagmorgen, der von Natur und religiöser Andacht geprägt ist. Die Nacht ist gerade vorüber, und eine Lerche singt in der stillen Luft, was auf den Beginn eines neuen Tages hindeutet. Die Bäume im Garten scheinen auf etwas oder jemanden zu warten, was eine Erwartungshaltung vermittelt. Die Blumen sind geschmückt wie eine Kinderschar, was die Schönheit und Reinheit des Morgens unterstreicht. Die Person im Gedicht fragt sich, warum die Blumen sich so schmücken, und erhält die Antwort, dass es Sonntag ist. Dies deutet darauf hin, dass der Sonntag ein besonderer Tag ist, an dem die Natur und die Menschen sich auf das Kommen Gottes vorbereiten. Die Morgenglocken klingen, und es wird angedeutet, dass Gott bald durch den stillen Wald gehen wird. Dies verstärkt die religiöse Stimmung und die Vorfreude auf den Gottesdienst. Die Person kniet "froherschrocken" nieder, was eine Mischung aus Freude und Ehrfurcht vor der bevorstehenden Begegnung mit Gott ausdrückt. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und dem Glauben, wobei der Sonntag als ein heiliger Tag dargestellt wird, der sowohl die natürliche Schönheit als auch die spirituelle Erhabenheit in sich vereint.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Still, still, 's ist Sonntag heute
- Metapher
- Tauperlen in dem Haar
- Personifikation
- Der liebe Gott nun bald geht durch den stillen Wald
- Vergleich
- Wie eine Kinderschar