Sonnett

Kurt Schwitters

unknown

Bei gutem Wetter bin ich liberal, Bei schlechtem ist die Landschaft meistens kahl, Der Berg ist höher als das tiefste Tal. Was wär’ die Menschheit ohne Ideal?

Die Ideale sind des Lebens Brot, Denn ohne Ideale ist man tot. Der Reim befreit den Dichter aus der Not, Wenn er ein Reimemacher ist aus echtem Schrot.

Dann legt er morgens schon im frühen Bette Die klangvoll lyrisch herrlichen Sonnette, Die reimen von der Menschheit hohen Taten

Und stehen schon beim ersten Frühstück Paten. Was wär’ die Menschheit ohne Ideale, Ihr bliebe statt des Reims die hohle Schale.

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Illustration zu Sonnett

Interpretation

Das Gedicht "Sonnett" von Kurt Schwitters ist ein ironisches und selbstreflexives Werk, das die Bedeutung von Idealen und Reimen in der Dichtung und im Leben thematisiert. Das Gedicht besteht aus drei Quartetten und einem abschließenden Terzett, wobei das Reimschema dem eines klassischen Sonetts entspricht. Im ersten Quartett wird die Verbindung zwischen Wetter und der politischen Einstellung des lyrischen Ichs hergestellt. Bei gutem Wetter ist das Ich liberal, während bei schlechtem Wetter die Landschaft kahl ist. Der Berg wird als Metapher für Ideale verwendet, die höher als das tiefste Tal sind. Die Frage "Was wär' die Menschheit ohne Ideal?" deutet darauf hin, dass Ideale für das menschliche Leben von großer Bedeutung sind. Das zweite Quartett setzt das Thema der Ideale fort und stellt sie als "Lebens Brot" dar, das für das Überleben notwendig ist. Ohne Ideale ist man tot. Der Reim wird als Mittel dargestellt, das den Dichter aus der Not befreit, insbesondere wenn er ein "Reimemacher aus echtem Schrot" ist. Dies deutet darauf hin, dass das Handwerk des Dichters und die Fähigkeit, Reime zu bilden, von großer Bedeutung sind. Im abschließenden Terzett wird die Bedeutung von Idealen und Reimen für die Dichtung und das menschliche Leben betont. Der Dichter legt morgens die "klingvoll lyrischen herrlichen Sonnette", die von den "hohen Taten" der Menschheit handeln. Diese Sonette stehen schon beim ersten Frühstück als Paten für die Ideale und Reime. Die abschließende Frage "Was wär' die Menschheit ohne Ideale, Ihr bliebe statt des Reims die hohle Schale" verdeutlicht, dass Ideale und Reime für die Dichtung und das menschliche Leben unerlässlich sind und ohne sie nur eine leere Hülle übrig bliebe.

Schlüsselwörter

menschheit ideale wär gutem wetter liberal schlechtem landschaft

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Stilmittel

Alliteration
klingtvoll lyrisch
Anapher
Was wär' die Menschheit ohne Ideal?
Hyperbel
Der Berg ist höher als das tiefste Tal
Kontrast
Bei gutem Wetter bin ich liberal, Bei schlechtem ist die Landschaft meistens kahl
Metapher
Die Ideale sind des Lebens Brot
Personifikation
Der Reim befreit den Dichter
Reimschema
AABB