Sonnet und Rätzel in ein Stambuch
1738Ich diene jedermann, dem Bürger und dem Bauer, Ich diene groß und klein, früh, mittags und bey Nacht, Ich werd auf jedem Schmauß sehr reichlich dargebracht: Ich gleich der Bayren Tracht, und schicke mich zur Trauer, Ich glänz und bin so fest wie Steine an der Mauer. Mich liebt das Frauen-Volk; man ist zugleich bedacht, Daß man mich vor der Hand der Diebe wohl bewacht, Das Fleisch verfaulet bald; ich bin von beßrer Dauer. Es ist mein Vaterland den wenigsten bewust. Ich reise weit herum, und komm in viele Länder, Ich bin ein guter Arzt, darneben ein Verschwender. Auf! hohlt zum Zeitvertreib, und zur beliebten Lust Dergleichen jetzt herbey; ja wer mich wird ergründen, Soll einen Zucker-Hut davor zur Gabe finden.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Sonnet und Rätzel in ein Stambuch" von Sidonia Hedwig Zäunemann ist ein kunstvolles Rätselgedicht, das die Eigenschaften und den Wert eines bestimmten Gegenstands in den Mittelpunkt stellt. Die Autorin beschreibt, wie dieser Gegenstand von jedermann, sowohl vom Bürger als auch vom Bauern, genutzt wird und zu verschiedenen Tageszeiten dargeboten wird. Er ist vielseitig einsetzbar, sowohl für festliche Anlässe wie die bayerische Tracht als auch für traurige Gelegenheiten wie die Trauer. Der Gegenstand wird als glänzend und fest beschrieben, vergleichbar mit Steinen an einer Mauer, und erfreut sich großer Beliebtheit beim weiblichen Geschlecht. Die Autorin betont die Langlebigkeit und den Wert des Gegenstands, der im Gegensatz zu Fleisch, das schnell verfault, eine viel bessere Haltbarkeit aufweist. Obwohl der Gegenstand weit verbreitet und in vielen Ländern bekannt ist, ist sein Herkunftsland nur wenigen bewusst. Er wird als guter Arzt und Verschwender bezeichnet, was auf seine heilende Wirkung und seinen konsumorientierten Charakter hindeutet. Die Autorin fordert den Leser auf, sich an der Lösung des Rätsels zu beteiligen und verspricht als Belohnung einen Zuckerhut für denjenigen, der den Gegenstand errät. Das Gedicht ist ein Beispiel für die Kunst des Rätselns und der metaphorischen Sprache, die in der Dichtung des 18. Jahrhunderts beliebt war. Sidonia Hedwig Zäunemann verwendet geschickt verschiedene Attribute und Vergleiche, um den gesuchten Gegenstand zu beschreiben, ohne ihn direkt zu benennen. Die Lösung des Rätsels erfordert ein tiefes Verständnis der Sprache und der kulturellen Bezüge der Zeit. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, sich aktiv mit dem Text auseinanderzusetzen und die versteckte Bedeutung zu entschlüsseln.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dergleichen jetzt herbey
- Antithese
- Ich schicke mich zur Trauer
- Bildsprache
- Das Fleisch verfaulet bald; ich bin von beßrer Dauer
- Enjambement
- Ich diene jedermann, dem Bürger und dem Bauer, Ich diene groß und klein, früh, mittags und bey Nacht
- Hyperbel
- Ich werd auf jedem Schmauß sehr reichlich dargebracht
- Metapher
- Ich gleich der Bayren Tracht
- Parallelismus
- früh, mittags und bey Nacht
- Personifikation
- Ich diene jedermann, dem Bürger und dem Bauer
- Rätsel
- Auf! hohlt zum Zeitvertreib, und zur beliebten Lust Dergleichen jetzt herbey; ja wer mich wird ergründen
- Vergleich
- Ich glänz und bin so fest wie Steine an der Mauer