Sonnenwende
1862Nun die Sonne soll vollenden Ihre längste, schönste Bahn, Wie sie zögert, sich zu wenden Nach dem stillen Ozean! Ihrer Göttin Jugendneige Fühlt die ahnende Natur, Und mir dünkt, bedeutsam schweige Rings die abendliche Flur.
Nur die Wachtel, die sonst immer Frühe schmälend weckt den Tag, Schlägt dem überwachten Schimmer Jetzt noch einen Weckeschlag; Und die Lerche steigt im Singen Hochauf aus dem duft′gen Tal, Einen Blick noch zu erschwingen In den schon versunknen Strahl.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonnenwende" von Ludwig Uhland beschreibt die längste Nacht des Jahres, die Wintersonnenwende. Die Natur ist von einer tiefen Stille umgeben, die die Bedeutung dieses besonderen Moments unterstreicht. Die Sonne vollendet ihre Bahn und zögert, sich dem Ozean zuzuwenden. Die Natur spürt das nahende Ende der Jugend der Göttin und die Abendstimmung breitet sich aus. Nur die Wachtel und die Lerche durchbrechen die Stille. Die Wachtel, die sonst den Tag mit ihrem Gesang einläutet, schlägt noch einen letzten Weckeschlag für den überwachten Schimmer der Sonne. Die Lerche steigt singend aus dem duftenden Tal auf, um noch einen Blick in den bereits untergegangenen Strahl der Sonne zu erhaschen. Diese Vögel symbolisieren die Hoffnung und den unerschütterlichen Lebenswillen, der auch in der dunkelsten Nacht besteht. Das Gedicht vermittelt eine tiefere Bedeutungsebene. Die Sonnenwende steht für den Übergang und die Veränderung. Die Natur ahnt das Ende eines Zyklus und die beginnende Ruhephase. Die Stille und die bedeutsame Atmosphäre deuten auf die Wichtigkeit dieses Moments hin. Die Wachtel und die Lerche symbolisieren den unermüdlichen Lebensdrang, der selbst in der längsten Nacht nicht erlischt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische, aber auch hoffnungsvolle Stimmung. Es erinnert daran, dass auch in den dunkelsten Stunden das Leben weitergeht und die Natur ihre Zyklen beibehält. Die Sonnenwende markiert den Wendepunkt, an dem die Tage wieder länger werden und das Licht zurückkehrt. Das Gedicht lädt dazu ein, innezuhalten und die Bedeutung dieses Moments zu würdigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Frühe schmälend weckt den Tag
- Bildlichkeit
- Rings die abendliche Flur
- Hyperbel
- Einen Blick noch zu erschwingen
- Metapher
- Wie sie zögert, sich zu wenden
- Personifikation
- Die ahnende Natur