Sonnenlied
1781Sonne, Sonne, scheine, Fahr über Rheine, Fahr übers Glockenhaus, Gucken drey schöne Puppen raus, Eine die spinnt Seiden, Die andre wickelt Weiden, Die andre geht ans Brünnchen, Findt ein goldig Kindchen; Wer solls heben? Die Töchter aus dem Löwen. Wer soll die Windeln wäschen? Die alte Schneppertäschen.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonnenlied" von Achim von Arnim ist ein kurzes, aber lebhaftes Stück, das die Sonne als aktive, fast spielerische Kraft darstellt. Es beginnt mit einer direkten Anrede an die Sonne, die aufgefordert wird, zu scheinen und über den Rhein sowie über das Glockenhaus zu fahren. Dies schafft eine unmittelbare Verbindung zwischen der Natur und den menschlichen Behausungen und deutet auf die allgegenwärtige Präsenz der Sonne hin. Die folgenden Zeilen führen eine Szene ein, in der drei schöne Puppen aus einem Haus blicken. Jede dieser Puppen hat eine spezifische Aufgabe: Eine spinnt Seide, eine andere wickelt Weiden, und die dritte geht zum Brunnen, um ein goldenes Kind zu finden. Diese Tätigkeiten symbolisieren traditionelle weibliche Rollen und Handwerke, die in einer harmonischen, fast märchenhaften Welt ausgeübt werden. Die Entdeckung des goldenen Kindes fügt eine mystische Komponente hinzu, die auf Glück und Wohlstand hindeutet. Die letzten Zeilen des Gedichts werfen Fragen nach der Fürsorge für das Kind auf. "Wer solls heben?" und "Wer soll die Windeln wäschen?" werden von den "Töchtern aus dem Löwen" und der "alten Schneppertäschen" beantwortet. Diese Figuren könnten als Allegorien für Stärke und Fürsorge stehen, wobei der Löwe für Mut und die alte Schneppertäschen für mütterliche Sorge stehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Idylle, in der die Natur, die Arbeit und die Fürsorge in Einklang stehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- spinnt Seiden
- Anapher
- Sonne, Sonne
- Hyperbel
- goldig Kindchen
- Parallelismus
- Die andre wickelt Weiden, Die andre geht ans Brünnchen
- Personifikation
- Sonne, scheine
- Rhetorische Frage
- Wer solls heben?