Sonette (1)
1835Wie oft gedenkt mein Herz der schönen Sage Von Phaëthon′s Schwestern, welche - voll Erbarmen Mit der Verzweiflung und dem Schmerz der Armen - Der Götter Einer schuf zum Baum der Klage, Zur Trauerweide, endend ihre Plage. Es sprießen Zweige aus den schönen Armen, Mitleid′ge Rinde zieht sich um die warmen Gequälten Herzen, und die laute Klage Wird leises Flüstern, melancholisch Klingen. Wir müssen menschlich unsren Schmerz bezwingen, Kein Schwesterherz darf mehr so süß vergeh′n! O, wollt′s ein Gott! wie möcht′ auch ich so gerne Auf einem theuren Grab in weiter Ferne Als stille Trauerweide ewig steh′n!
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Interpretation
Das Gedicht "Sonette (1)" von Luise Büchner erzählt von der mythischen Sage um Phaëthons Schwestern, die von einem Gott in Trauerweiden verwandelt wurden. Die Dichterin drückt ihr tiefes Mitgefühl für das Leid der Schwestern aus und bewundert ihre Verwandlung in Bäume, die als Symbol der Trauer und des Schmerzes stehen. Die Trauerweide wird als ein Ort der Klage und des stillen Gedenkens dargestellt, an dem der Schmerz in ein sanftes Flüstern und melancholisches Klingen übergeht. Die Dichterin reflektiert über die menschliche Natur und die Notwendigkeit, den Schmerz zu überwinden. Sie bedauert, dass kein menschliches Herz mehr so süß vergehen darf wie das der Schwestern. In einem sehnsüchtigen Wunsch imaginiert sie, selbst als Trauerweide auf einem fernen Grab stehen zu können, um ewig als stille Zeugin des Schmerzes und der Trauer zu dienen. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und dem ewigen Kreislauf von Leben und Tod.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wie oft gedenkt mein Herz der schönen Sage
- Hyperbel
- Als stille Trauerweide ewig steh'n!
- Metapher
- Zur Trauerweide, endend ihre Plage.
- Personifikation
- Mitleid'ge Rinde zieht sich um die warmen Gequälten Herzen
- Symbolik
- Trauerweide