Sonett an die Wissenschaft
1829O Wissenschaft! Du Sproß der Greisin Zeit, Vor dessen Späherblick nichts sicher ist! Du Geier, fluglahm vor der Wirklichkeit, Was spürst du nach dem Dichter so voll List? Wie sollte er - wenn schon du weise bist - Dich lieben, die ihm seine Wanderung, Mit der er Sternengegenden durchmißt, Mißgönnt und seinen adlergleichen Schwung?
Vertriebst du nicht die Götterliebespaare? Aus Fluß und Hain die Nymphen und Najaden, Daß sie sich flüchteten ins Unsichtbare?
Verscheuchtest du nicht von den Wiesenpfaden Die Elfen - und von mir den Sommertraum Des Mittags unterm Tamarindenbaum?
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Interpretation
Das Gedicht "Sonett an die Wissenschaft" von Edgar Allan Poe ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Einfluss der Wissenschaft auf die Welt der Fantasie und der Poesie. Poe sieht die Wissenschaft als eine bedrohliche Kraft, die die natürliche Ordnung und die mystischen Elemente der Welt stört. Die Wissenschaft wird als "Sproß der Greisin Zeit" beschrieben, was darauf hindeutet, dass sie zwar alt und etabliert ist, aber auch als etwas Unnatürliches und Störendes empfunden wird. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt Poe, wie die Wissenschaft die mythologischen und magischen Aspekte der Natur zerstört. Er erwähnt, dass die Wissenschaft die Götterliebespaare, Nymphen und Najaden aus ihren natürlichen Lebensräumen vertreibt und sie ins Unsichtbare treibt. Diese Vertreibung symbolisiert den Verlust der Magie und des Wunderbaren in der Welt durch den Einfluss der Wissenschaft. Im letzten Teil des Gedichts richtet sich Poes Kritik direkt gegen die Wissenschaft, die auch seine eigenen poetischen Träume stört. Er beklagt, dass die Wissenschaft ihn von seinen sommerlichen Träumen unter dem Tamarindenbaum vertreibt. Dies zeigt, dass die Wissenschaft nicht nur die äußere Welt beeinflusst, sondern auch die innere Welt des Dichters und seiner Kreativität bedroht. Insgesamt ist das Gedicht eine leidenschaftliche Verteidigung der Poesie und der Fantasie gegen die rationalen und analytischen Ansätze der Wissenschaft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- seinen adlergleichen Schwung
- Hyperbel
- Vor dessen Späherblick nichts sicher ist!
- Metapher
- Du Geier, fluglahm vor der Wirklichkeit
- Personifikation
- Was spürst du nach dem Dichter so voll List?
- Rhetorische Frage
- Verscheuchtest du nicht von den Wiesenpfaden Die Elfen - und von mir den Sommertraum Des Mittags unterm Tamarindenbaum?