Sonett

August von Platen

1826

Wer wußte je das Leben recht zu fassen, Wer hat die Hälfte nicht davon verloren Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren, In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?

Ja, der sogar, der ruhig und gelassen, Mit dem Bewußtsein, was er soll, geboren, Frühzeitig einen Lebensgang erkoren, Muß vor des Lebens Widerspruch erblassen.

Denn jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache, Allein das Glück, wenn′s wirklich kommt, ertragen, Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.

Auch kommt es nie, wir wünschen bloß und wagen: Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache, Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.

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Interpretation

Das Gedicht "Sonett" von August von Platen reflektiert über die Schwierigkeit, das Leben wirklich zu erfassen und zu meistern. Platen stellt die Frage, wer das Leben jemals richtig zu fassen wusste, und deutet an, dass die meisten Menschen die Hälfte ihres Lebens in nutzlosen oder schmerzhaften Aktivitäten verlieren. Er erwähnt Träume, Fieber, sinnlose Gespräche, Liebesqualen und das sinnlose Vertreiben der Zeit als Beispiele für solche Verluste. Der Dichter betont, dass selbst diejenigen, die ruhig und gelassen sind und von Anfang an einen Lebensweg gewählt haben, dem Widerspruch des Lebens nicht entkommen können. Diese Menschen, die mit dem Bewusstsein geboren wurden, was sie tun sollen, müssen trotz ihrer Vorbereitung und Klarheit vor den Herausforderungen des Lebens erblassen. Platen deutet an, dass das Leben voller unerwarteter Schwierigkeiten und Enttäuschungen ist, die selbst die bestvorbereiteten Individuen überwältigen können. Abschließend stellt Platen fest, dass jeder auf das Glück hofft, aber wenn es tatsächlich kommt, ist es für Menschen fast unmöglich, es zu ertragen. Das Glück ist eine Sache, die eher Gott als den Menschen zusteht. Er weist darauf hin, dass das Glück selten kommt und dass die Menschen nur wünschen und wagen können. Das Glück fällt niemals einem Schläfer zu, und auch ein Läufer kann es nicht erreichen. Dies unterstreicht die Idee, dass das Glück schwer fassbar und oft unerreichbar ist, unabhängig von den Bemühungen oder dem Zustand des Einzelnen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache
Hyperbel
Wer hat die Hälfte nicht davon verloren
Kontrast
Der Läufer wird es nicht erjagen
Metapher
Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren
Personifikation
das Glück ihm lache