Sonett
1624Aus dem Italienischen Petrarchae.
Ist Liebe lauter nichts, wie daß sie mich entzündet? Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewußt? Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust? Ist sie nicht gut, wie daß man Freud aus ihr empfindet?
Lieb ich gar williglich, wie daß ich Schmerzen trage? Muß ich es tun, was hilfts, daß ich solch Trauren führ? Tu ichs nicht gern, wer ists, der es befiehlet mir? Tu ich es gern, warum, daß ich mich dann beklage?
Ich wanke wie das Gras, so von den kühlen Winden Um Vesperzeit bald hin geneiget wird, bald her. Ich walle wie ein Schiff, das in dem wilden Meer
Von Wellen umjagt nicht kann zu Rande finden. Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß, Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonett" von Martin Opitz behandelt die Widersprüchlichkeit und Verwirrung, die die Liebe mit sich bringt. Der Sprecher stellt eine Reihe von rhetorischen Fragen, die die paradoxen Aspekte der Liebe aufzeigen. Er fragt sich, ob die Liebe nichts ist, obwohl sie ihn entzündet, oder ob sie etwas ist, obwohl ihr Tun unbewusst bleibt. Die Liebe wird als sowohl gut als auch böse dargestellt, da sie böse Lust bringen kann, aber dennoch Freude bereitet. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die emotionale Instabilität, die der Sprecher aufgrund der Liebe erfährt. Er vergleicht sich mit Gras, das von den kühlen Winden hin und her bewegt wird, und mit einem Schiff, das im wilden Meer von Wellen umjagt wird und nicht ans Ufer finden kann. Diese Metaphern verdeutlichen die Unbeständigkeit und Hilflosigkeit, die der Sprecher in Bezug auf seine Gefühle empfindet. Er weiß nicht, was er will, und will nicht, was er weiß, was seine innere Zerrissenheit verdeutlicht. Im letzten Teil des Gedichts wird die Verwirrung und der emotionale Aufruhr durch die paradoxe Aussage verstärkt, dass ihm im Sommer kalt und im Winter heiß ist. Dies unterstreicht die Inkonsequenz seiner Gefühle und die Unfähigkeit, die Liebe zu verstehen oder zu kontrollieren. Das Gedicht endet mit einem starken Bild der Verwirrung und des emotionalen Chaos, das die Liebe verursacht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegensatz
- Im Sommer ist mir kalt, im Winter ist mir heiß.
- Metapher
- Ich walle wie ein Schiff, das in dem wilden Meer Von Wellen umjagt nicht kann zu Rande finden.
- Paradox
- Ich weiß nicht was ich will, ich will nicht was ich weiß
- Rhetorische Frage
- Ist Liebe lauter nichts, wie daß sie mich entzündet? Ist sie dann gleichwohl was, wem ist ihr Tun bewußt? Ist sie auch recht und gut, wie bringt sie böse Lust? Ist sie nicht gut, wie daß man Freud aus ihr empfindet?
- Vergleich
- Ich walle wie ein Schiff