Sonett

Maria Luise Weissmann

1932

So bin ich nun verführt von jedem Schatten, Der niederglitt aus eines Vogels Flug, Als träfe mich mit tödlichem Ermatten Dein Wimpernaufschlag. In dem wilden Zug

Des Windes rührt mich deine harte Hand Sehnsüchtig an, im Schilfe rauscht dein Haar, Dem Stundenschlag, wie er verzitternd schwand, Glich oft dein Lächeln, fern und unhaltbar.

Auch, wenn du weintest, wär im Niederregnen Noch deine Träne - ach ich müßte dir Selbst wo du niemals gingest, noch begegnen

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Illustration zu Sonett

Interpretation

Das Gedicht "Sonett" von Maria Luise Weissmann handelt von der intensiven Sehnsucht und der tiefen emotionalen Verbindung, die der Sprecher zu einer geliebten Person empfindet. Die Eröffnungszeilen beschreiben, wie selbst die kleinsten Anzeichen, wie der Schatten eines Vogels, den Sprecher an die Geliebte erinnern und ihn in einen Zustand des "tödlichen Ermattens" versetzen. Dies deutet auf eine überwältigende Leidenschaft hin, die den Sprecher erschöpft, aber auch in ihren Bann zieht. In den folgenden Zeilen wird die Natur als Spiegel der Gefühle des Sprechers dargestellt. Der Wind, der an die "harte Hand" der Geliebten erinnert, und das Rascheln des Schilfs, das wie ihr Haar klingt, zeigen, wie sehr die Umgebung mit der Vorstellung der Geliebten durchdrungen ist. Das Lächeln der Geliebten wird mit dem "Stundenschlag" verglichen, der "verzitternd schwand", was auf die Vergänglichkeit und die flüchtige Natur der Liebe hindeutet. Doch selbst in der Trauer, wenn die Geliebte weint, findet der Sprecher Trost, da er ihre Tränen in den Regentropfen sieht. Im letzten Teil des Gedichts wird die unendliche Präsenz der Geliebten im Leben des Sprechers betont. Selbst an Orten, die die Geliebte nie betreten hat, fühlt sich der Sprecher ihrer gewiss. Dies zeigt eine tiefe, unerschütterliche Liebe, die über die physische Anwesenheit hinausgeht und in der Vorstellung und im Herzen des Sprechers weiterlebt. Die unvollständige letzte Zeile lässt den Leser in der Luft hängen und unterstreicht die ewige, unvollendete Natur dieser Liebe.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Auch, wenn du weintest, wär im Niederregnen Noch deine Träne
Personifikation
Dem Stundenschlag, wie er verzitternd schwand
Vergleich
Dem Stundenschlag, wie er verzitternd schwand, Glich oft dein Lächeln, fern und unhaltbar
Übertreibung
ich müßte dir Selbst wo du niemals gingest, noch begegnen