Sonett
1804Was will das bunte Tageslicht mir geben? Den trüben Blick verwunden seine Farben; Nur denen blühend, so im Herzen starben, Den muntern Augen, die dem Leben leben.
Bis mich die Zeit zum Tode wird erheben, Lieb′ ich im Leben nichts, als seine Narben, Weil sie die Lust zum Leben mir verdarben Und ewig wehren nach dem Nichts zu streben.
Im Dunkel nur, das alles zart verkleidet, Ergetzt mein Auge sich, und mein Verlangen Entzünden schöner Liebe goldne Fernen.
Des Todes Bild, das helle Laute meidet, Kömmt freundlich in der stillen Nacht gegangen, Umfunkelt von des Himmels ew′gen Sternen.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonett" von Friedrich Schlegel ist eine tiefgründige Reflexion über das Verhältnis des lyrischen Ichs zur Welt und zum Leben. Es beginnt mit einer Fragestellung nach dem Wert des bunten Tageslichts, das dem Sprecher eher Schmerz als Freude bereitet. Die Farben des Tageslichts verwunden seinen trüben Blick, was auf eine tiefe Melancholie oder Desillusionierung hindeutet. Das lyrische Ich findet Schönheit nur noch in den Narben des Lebens, die es von der Lust am Leben abgehalten haben. Diese Narben werden als etwas Wertvolles angesehen, da sie das Streben nach dem Nichts verhindern und somit eine Art Schutz vor der Leere des Daseins bieten. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich das lyrische Ich dem Dunkel zu, das es als Ort der Zärtlichkeit und des Schutzes empfindet. Im Dunkel kann sich das Auge des Sprechers ergötzen, und sein Verlangen entzündet sich an den schönen, fernen Lieben. Diese Liebe wird als goldene Ferne beschrieben, was auf eine Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem oder Idealisiertem hindeutet. Das Dunkel bietet somit einen Raum für die Imagination und die Erfüllung von Wünschen, die im hellen Tageslicht unerreichbar scheinen. Der letzte Teil des Gedichts bringt das Bild des Todes ins Spiel, das als freundlich und willkommen erscheint. Der Tod, dargestellt als eine helle Gestalt, die das laute Leben meidet, kommt in der stillen Nacht. Er wird von den ewigen Sternen des Himmels umgeben, was ihm eine Art himmlische Schönheit verleiht. Der Tod wird als ein Ort der Ruhe und des Friedens präsentiert, im Gegensatz zum lauten und schmerzhaften Leben. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass das lyrische Ich den Tod als eine Erhebung aus der Zeit und als eine Erlösung aus dem Leiden des Lebens betrachtet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Lieb′ ich im Leben nichts, als seine Narben
- Frage
- Was will das bunte Tageslicht mir geben?
- Hyperbel
- Weil sie die Lust zum Leben mir verdarben
- Metapher
- Des Todes Bild
- Symbolik
- Umfunkelt von des Himmels ew′gen Sternen