Sonett
1842Es saß ein Kind ganz still zu meinen Füßen, Und spielte froh mit freundlichen Gedanken, Es blickt mich an, bis ihm die Blicke sanken, Und goldne ferne Lande sich erschließen,
Von allen Seiten dringt ein süßes Grüßen, Das alte Leben muß nun abwärts wanken, Daß neue frohe Zweige grün umranken Und rund umher ihm zarte Blumen sprießen.
Das Kind erwacht, und fraget mich mit Bangen, Ob andern wohl ein solcher Traum gelinge, Ob ich′s allein mit Zauberei umfangen,
Daß dankbar es die Arme um mich schlinge. Da rötet mir Verwunderung die Wangen Woher das Kind die kühne Frag erschwinge.
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Interpretation
Das Gedicht "Sonett" von Clemens Brentano beschreibt die Begegnung des lyrischen Ichs mit einem Kind, das in eine traumhafte, verzauberte Welt eintaucht. Das Kind sitzt still zu den Füßen des Sprechers und spielt mit "freundlichen Gedanken", wobei es in eine ferne, goldene Landschaft blickt. Diese Szene symbolisiert die Unschuld und die Fähigkeit des Kindes, sich in eine imaginative, glückliche Welt zu versetzen, die vom "alten Leben" befreit ist. Die "süßen Grüße" aus allen Richtungen und das Erblühen neuer Zweige und Blumen stehen für die Erneuerung und die Schönheit, die das Kind in seiner Fantasie erlebt. Das Erwachen des Kindes aus diesem Traum führt zu einer tiefen, fast ängstlichen Frage nach der Natur dieser Erfahrung. Das Kind fragt sich, ob dieser Traum anderen auch gelingt und ob es allein durch die "Zauberei" des lyrischen Ichs in diese Welt eingetreten ist. Diese Frage offenbart die tiefe Dankbarkeit und das Vertrauen des Kindes zum Sprecher, das sich in einer liebevollen Umarmung ausdrückt. Die Verwunderung des lyrischen Ichs über die "kühne Frage" des Kindes zeigt die tiefe emotionale Wirkung dieser Begegnung und die Anerkennung der besonderen Verbindung zwischen dem Kind und dem Sprecher. Das Gedicht reflektiert über die Kraft der Fantasie, die Unschuld der Kindheit und die tiefe emotionale Bindung zwischen dem lyrischen Ich und dem Kind. Es verdeutlicht, wie das Kind durch seine Fähigkeit zu träumen und zu imaginieren eine Welt voller Schönheit und Erneuerung erschafft, die es dankbar mit dem Sprecher teilt. Die abschließende Verwunderung des lyrischen Ichs unterstreicht die Einzigartigkeit dieser Erfahrung und die tiefe emotionale Wirkung, die das Kind auf den Sprecher ausübt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Das alte Leben muß nun abwärts wanken, Daß neue frohe Zweige grün umranken
- Metapher
- goldne ferne Lande
- Personifikation
- Das alte Leben muß nun abwärts wanken
- Rhetorische Frage
- Ob andern wohl ein solcher Traum gelinge
- Symbolik
- grüne Zweige und zarte Blumen