Sommernacht über Land
1913Von Rüstern schauert die hängende Ernte der Traurigkeit: Schon steigt aus Wurzeln die drängende, die untere Ewigkeit.
Aus Brunnen krümmt sich der tastende Verwesende Nebel und klimmt. Aus Löchern kommt das fastende Grauen und nimmt und nimmt.
Hat der Horizont seine klagenden Harfen zum Klagen gebracht? Die Erde hat ach die tragenden Schollen zu Wolken gemacht.
Die Nähe voll bitter steigender Schluchzer wird ungewiss. Der Himmel steht wie ein schweigender Berg der Kümmernis.
Der Kümmernisberg steht gläsern still, Vor alle Ziele gestellt. Und wer in süßere Meilen nun will, Dem steht er vor der Welt.
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Interpretation
Das Gedicht "Sommernacht über Land" von Oskar Loerke ist eine düstere und melancholische Beschreibung einer Sommernacht auf dem Lande. Die Natur wird als bedrückend und traurig dargestellt, wobei die Ernte der Traurigkeit von den hängenden Rüstern schauert. Die Atmosphäre ist von einer unheilvollen Stimmung durchdrungen, in der sich der Verwesende Nebel aus den Brunnen krümmt und das Grauen aus den Löchern kommt. Die Landschaft wird als Ort des Leidens und der Verzweiflung dargestellt. Der Horizont hat seine klagenden Harfen zum Klagen gebracht, und die Erde hat die tragenden Schollen zu Wolken gemacht. Die Nähe ist voller bitterer Schluchzer und wird ungewiss. Der Himmel steht wie ein schweigender Berg der Kümmernis, der den Blick auf süßere Meilen versperrt. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass der Berg der Kümmernis wie Glas stillsteht und vor alle Ziele gestellt ist. Wer in süßere Meilen will, dem steht er vor der Welt. Diese abschließende Metapher verdeutlicht die übermächtige und erdrückende Natur der Kümmernis, die den Weg zu einem besseren Leben versperrt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und wer in süßere Meilen nun will, Dem steht er vor der Welt
- Personifikation
- Die Nähe voll bitter steigender Schluchzer wird ungewiss