Sommermittag
1817Nun ist es still um Hof und Scheuer, Und in der Mühle ruht der Stein; Der Birnenbaum mit blanken Blättern Steht regungslos im Sonnenschein.
Die Bienen summen so verschlafen; Und in der offnen Bodenluk′, Benebelt von dem Duft des Heues, Im grauen Röcklein nickt der Puk.
Der Müller schnarcht und das Gesinde, Und nur die Tochter wacht im Haus; Die lachet still und zieht sich heimlich Fürsichtig die Pantoffeln aus.
Sie geht und weckt den Müllerburschen, Der kaum den schweren Augen traut: »Nun küsse mich, verliebter Junge; Doch sauber, sauber! nicht zu laut.«
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Sommermittag" von Theodor Storm beschreibt eine idyllische Sommerlandschaft, die von Ruhe und Stille geprägt ist. Die Natur und die Menschen sind von der Hitze und dem Duft des Heues so in den Bann gezogen, dass sie in einen tiefen Schlaf fallen. Nur die Tochter des Müllers bleibt wach und nutzt die Gelegenheit, um ihren heimlichen Geliebten zu wecken und zu küssen. Das Gedicht vermittelt eine sinnliche und erotische Atmosphäre, die durch die Auslassungspunkte und die Wiederholung des Wortes "sauber" angedeutet wird. Das Gedicht "Sommermittag" von Theodor Storm ist ein Beispiel für die literarische Epoche des Biedermeier, die sich durch eine realistische und detailgetreue Darstellung des Alltagslebens auszeichnet. Das Gedicht zeichnet ein typisches Bild einer ländlichen Gemeinschaft, die von einfachen und natürlichen Bedürfnissen bestimmt ist. Die Sprache ist klar und bildhaft, die Reime sind regelmäßig und harmonisch. Das Gedicht vermittelt eine heile und friedliche Welt, die von äußeren Störungen verschont bleibt. Das Gedicht "Sommermittag" von Theodor Storm hat auch eine symbolische Bedeutung, die über den wörtlichen Sinn hinausgeht. Das Gedicht kann als eine Allegorie auf die Liebe und die Sexualität interpretiert werden, die sich im Verborgenen abspielt und gegen die gesellschaftlichen Normen verstößt. Die Tochter des Müllers und der Müllerbursch sind die einzigen, die noch wach sind und sich ihrer Leidenschaft hingeben. Sie brechen die Stille und die Ordnung des Sommermittags und bringen neues Leben in die Welt. Das Gedicht endet mit einem ironischen und humorvollen Ton, der die Unschuld und die Naivität der Liebenden unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Benebelt von dem Duft des Heues
- Direkte Rede
- »Nun küsse mich, verliebter Junge; Doch sauber, sauber! nicht zu laut.«
- Kontrast
- Der Müller schnarcht und das Gesinde, Und nur die Tochter wacht im Haus
- Metapher
- Und in der Mühle ruht der Stein
- Onomatopoesie
- Die Bienen summen so verschlafen
- Personifikation
- Der Birnenbaum mit blanken Blättern Steht regungslos im Sonnenschein
- Symbolik
- Im grauen Röcklein nickt der Puk