Sommermittag
1921Liebe? Nein! es war nicht Liebe! es war ein kurzer Sinnen- taumel nur, der dir das Blut aufstürmte …
Wie heißer Juliwind mit durstigem Kusse die Wellen aufreißt in den stillen Havelseen, sich satt zu trin- ken für seinen Weiterflug über den brennenden Marksand brachs plötzlich über dich, in deine Stille, durstig, lechzend … und drängte deine Hand in mein Haar und meinen Kopf auf deinen Schoß und empor an deine Brust und empor, bis ich deinen Atem auf die Stirne glühen fühlte … wie der Wind die Wellen emporküßt … bis wir Lippe an Lippe hingen … mit geschlossenen Augen. Und dennoch liebtest du mich nicht und deine Seele war weit weg in der Ferne …
nur dein Mund war mein!
O daß ich sie zu mir schmeicheln könnte! daß deine Seele mein würde! deine weiße ferne Seele mit all der Wonne ihrer Sonnensehnsucht … einen Tag nur, eine Stunde nur! daß mein Glück nicht bloß ein Taumel deiner Sinne … daß dich das mir gäbe, was mich selbst zu deinen Knieen niederwirft in stummer Seligkeit!
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Interpretation
Das Gedicht "Sommermittag" von Cäsar Flaischlen beschreibt ein intensives, aber oberflächliches sinnliches Erlebnis, das nicht von echter Liebe getragen ist. Der Sprecher betont, dass das, was zwischen ihm und der angesprochenen Person geschah, keine Liebe war, sondern nur ein kurzer "Sinnen-Taumel", der das Blut in Wallung brachte. Diese Leidenschaft wird mit einem heißen Juliwind verglichen, der durstig die Wellen küsst und sich satttrinkt, bevor er weiterfliegt. Die Metapher unterstreicht die Vergänglichkeit und Oberflächlichkeit des Moments. Der zweite Teil des Gedichts schildert die körperliche Intimität, die sich zwischen den beiden Menschen entfaltet. Die Handlungen werden mit natürlichen Bildern wie dem Kuss des Windes auf die Wellen verglichen, was die Intensität und den Drang des Moments betont. Doch trotz dieser Nähe und Leidenschaft betont der Sprecher, dass die Seele der anderen Person weit entfernt war. Der Mund mag sein gewesen sein, aber die Seele blieb unerreichbar, was die emotionale Distanz und die fehlende Verbindung unterstreicht. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher seinen tiefen Wunsch aus, die Seele der anderen Person für sich zu gewinnen. Er sehnt sich danach, dass ihre ferne Seele, erfüllt von der Sehnsucht nach der Sonne, für einen kurzen Moment ihm gehört. Dieser Wunsch nach einer tieferen, seelischen Verbindung steht im krassen Gegensatz zu dem rein körperlichen Erlebnis, das zuvor beschrieben wurde. Der Sprecher möchte, dass sein Glück nicht nur ein flüchtiger Taumel der Sinne ist, sondern etwas, das ihn in stummer Seligkeit zu den Knien der anderen Person niederwirft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- daß mich selbst zu deinen Knieen niederwirft in stummer Seligkeit
- Kontrast
- Und dennoch liebtest du mich nicht und deine Seele war weit weg in der Ferne
- Personifikation
- dein Mund war mein
- Vergleich
- wie der Wind die Wellen emporküßt
- Wiederholung
- Lippe an Lippe