Sommerabend

Alfred Lichtenstein

1912

Faltenlos sind alle Dinge, Wie vergessen, leicht und matt. Heilighoch spült grüner Himmel Stille Wasser an die Stadt.

Fensterschuster leuchten gläsern. Bäckerläden warten leer. Straßenmenschen schreiten staunend Hinter einem Wunder her.

… Rennt ein kupferroter Kobold Dächerwärts hinauf, hinab. Kleine Mädchen fallen schluchzend Von Laternenstöcken ab.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Sommerabend

Interpretation

Das Gedicht *Sommerabend* von Alfred Lichtenstein beschreibt einen ruhigen, fast surrealen Sommerabend. Die ersten Zeilen vermitteln eine Atmosphäre der Leichtigkeit und Vergänglichkeit, in der sich die Welt faltenlos und matt präsentiert. Der grüne Himmel, der stille Wasser an die Stadt spült, schafft eine heilige, fast traumhafte Stimmung. Die Stadt selbst scheint in einem Zustand der Ruhe und des Wartens zu verharren. Die zweite Strophe führt eine subtile Veränderung ein. Die leuchtenden Fensterscheiben und die leeren Bäckereien deuten auf eine Abwesenheit von Leben und Aktivität hin. Die staunenden Menschen, die einem Wunder folgen, verleihen der Szene eine mystische Qualität. Es entsteht der Eindruck, als ob etwas Unerklärliches und Faszinierendes im Gange ist, das die Beobachter in seinen Bann zieht. Die letzte Strophe bringt eine plötzliche, fast chaotische Energie in das Gedicht. Der kupferrote Kobold, der über die Dächer rennt, symbolisiert eine unerwartete, spielerische Kraft, die die Ruhe des Abends durchbricht. Die schluchzenden Mädchen, die von den Laternenstöcken fallen, könnten als Metapher für die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens dienen. Das Gedicht endet mit einem Bild der Unberechenbarkeit und des Wandels, das den Sommerabend in ein lebendiges, wenn auch rätselhaftes Tableau verwandelt.

Schlüsselwörter

faltenlos alle dinge vergessen leicht matt heilighoch spült

Wortwolke

Wortwolke zu Sommerabend

Stilmittel

Bildsprache
Rennt ein kupferroter Kobold Dächerwärts hinauf, hinab
Hyperbel
Hinter einem Wunder her
Kontrast
Kleine Mädchen fallen schluchzend Von Laternenstöcken ab
Personifikation
Heilighoch spült grüner Himmel Stille Wasser an die Stadt