Sommerabend

Richard Dehmel

1920

Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur; fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert, im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur, ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.

Vom Wiesengrunde kommt ein Glockenton, der Hirte sammelt seine satte Herde; im stillen Walde steht die Dämmrung schon, ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde.

Im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm, die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden; nur noch die Grillen geigen ihren Psalm. So sei doch froh, mein Herz, in all dem Frieden!

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Illustration zu Sommerabend

Interpretation

Das Gedicht "Sommerabend" von Richard Dehmel zeichnet ein ruhiges und friedliches Abendbild. Die klaren Lüfte über der weiten Flur und der dampfende See vermitteln eine fast idyllische Stimmung. Das flimmernde hohe Röhricht und die verglühende letzte Sonnenspur unterstreichen den Übergang vom Tag zur Nacht. Das blasse Wölkchen, das sich rötet und schimmert, fügt eine sanfte Farbgebung hinzu, die die Stimmung des Abends betont. Die zweite Strophe führt akustische Elemente ein, die die Ruhe des Abends verstärken. Der Glockenton vom Wiesengrund und die satte Herde, die der Hirte sammelt, vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit und Vollendung des Tages. Die Dämmerung im stillen Walde und der Duft von Tau, der von der warmen Erde aufsteigt, verstärken die sinnliche Wahrnehmung des Abends und schaffen eine harmonische Atmosphäre. Die letzte Strophe bringt die Stille und den Frieden des Abends zum Ausdruck. Das unbewegte Roggenfeld und die verstummte Glocke symbolisieren die tiefe Ruhe, die über der Landschaft liegt. Nur die Grillen, die ihren Psalm geigen, durchbrechen die Stille und fügen eine natürliche musikalische Untermalung hinzu. Der Appell an das Herz, in diesem Frieden froh zu sein, rundet das Gedicht ab und lädt den Leser ein, die Ruhe und Schönheit des Moments zu genießen.

Schlüsselwörter

klar ruhn lüfte weiten flur fern dampft see

Wortwolke

Wortwolke zu Sommerabend

Stilmittel

Alliteration
Sonnenspur
Anapher
im stillen Walde steht die Dämmrung schon, ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde
Bildsprache
Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur
Hyperbel
im jungen Roggen rührt sich nicht ein Halm
Metapher
die Grillen geigen ihren Psalm
Personifikation
die Glocke schweigt wie aus der Welt geschieden
Symbolik
ein Duft von Tau entweicht der warmen Erde
Vergleich
wie aus der Welt geschieden