Sommer
1914Am Abend schweigt die Klage Des Kuckucks im Wald. Tiefer neigt sich das Korn, Der rote Mohn.
Schwarzes Gewitter droht Über dem Hügel. Das alte Lied der Grille Erstirbt im Feld.
Nimmer regt sich das Laub Der Kastanie. Auf der Wendeltreppe Rauscht dein Kleid.
Stille leuchtet die Kerze Im dunklen Zimmer; Eine silberne Hand Löschte sie aus; Windstille, sternlose Nacht.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Sommer" von Georg Trakl beschreibt eine melancholische und bedrohliche Stimmung, die den Übergang vom Sommer zur dunkleren Jahreszeit widerspiegelt. Die Natur wird als still und schweigend dargestellt, was auf einen Verlust der Lebendigkeit und Vitalität hinweist. Die Bilder von Korn, Mohn und Kastanie symbolisieren das Ende der Wachstumsperiode und den nahenden Herbst. Im zweiten Teil des Gedichts wird eine persönliche und intime Szene eingeführt. Die "silberne Hand", die die Kerze auslöscht, könnte als Metapher für den Tod oder das Ende einer Beziehung stehen. Die sternlose Nacht und die Windstille verstärken die düstere und beunruhigende Atmosphäre, die das Gedicht durchzieht. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Vergänglichkeit und Verlust, das typisch für Trakls lyrisches Werk ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Tiefer neigt sich das Korn, Der rote Mohn.
- Kontrast
- Stille leuchtet die Kerze Im dunklen Zimmer.
- Personifikation
- Das alte Lied der Grille Erstirbt im Feld.
- Symbolik
- Schwarzes Gewitter droht Über dem Hügel.