Arbeit & Alltag, Chaos, Feiertage, Geld, Götter, Herzschmerz, Krieg, Kriegsgeschichte, Länder, Sommer, Universum
Soldatenlied
Wir lernten in der Schlacht zu stehn
bei Sturm und Höllenglut.
Wir lernten in den Tod zu gehn,
nicht achtend unser Blut.
Und wenn sich einst die Waffe kehrt
auf die, die uns den Kampf gelehrt,
sie werden uns nicht feige sehn.
Ihr Unterricht war gut.
Wir töten, wie man uns befahl,
mit Blei und Dynamit,
für Vaterland und Kapital,
für Kaiser und Profit.
Doch wenn erfüllt die Tage sind,
dann stehn wir auf für Weib und Kind
und kämpfen, bis durch Dunst und Qual
die lichte Sonne sieht.
Soldaten! Ruft′s von Front zu Front:
Es ruhe das Gewehr!
Wer für die Reichen bluten konnt,
kann für die Seinen mehr.
Ihr drüben! Auf zur gleichen Pflicht!
Vergeßt den Freund im Feinde nicht!
In Flammen ruft der Horizont
nach Hause jedes Heer.
Lebt wohl, ihr Brüder! Unsre Hand,
daß ferner Friede sei!
Nie wieder reiß das Völkerband
in rohem Krieg entzwei.
Sieg allen in der Heimatschlacht!
Dann sinken Grenzen, stürzt die Macht,
und alle Welt ist Vaterland,
und alle Welt ist frei!
Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Soldatenlied“ von Erich Mühsam ist ein kraftvolles Antikriegsgedicht, das die Erfahrungen und die Entwicklung der Soldaten während und nach dem Ersten Weltkrieg thematisiert. Es beginnt mit der Beschreibung der Ausbildung und der Kriegserfahrung, die die Soldaten durchlaufen haben: das Stehen in der Schlacht, das Gehen in den Tod ohne Rücksicht auf das eigene Leben. Mühsam verwendet hier einen zynischen Unterton, der die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges widerspiegelt, indem er die Soldaten als Werkzeuge der Macht darstellt, die ihren Kampfwillen durch militärische Ausbildung erlernt haben.
In der zweiten Strophe wird die eigentliche Motivation des Krieges enthüllt: die Interessen von „Vaterland und Kapital“, von „Kaiser und Profit“. Hier wird die Kritik an den eigentlichen Triebkräften des Krieges deutlich, während gleichzeitig die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ausgedrückt wird. Die Soldaten werden nach der Erfahrung des Krieges und der Unterdrückung ihre Waffen gegen die wenden, die ihnen den Kampf „gelehrt“ haben. Dieser Vers zeigt eine subtile, aber klare Umkehrung der Situation, in der die Soldaten, die zu Kriegern ausgebildet wurden, letztendlich in der Lage sind, ihre eigenen Interessen zu verteidigen.
Die dritte Strophe ist ein Aufruf zum Frieden und zur Solidarität, indem die Soldaten dazu ermutigt werden, ihre Waffen niederzulegen und sich für ihre Familien und für eine gerechtere Welt einzusetzen. Die Botschaft ist klar: Wer bereit war, für die Reichen zu bluten, kann jetzt für seine eigenen Lieben kämpfen. Dieser Aufruf zur Revolution und zur Überwindung der Grenzen, die durch Krieg geschaffen wurden, gipfelt in der Vision einer friedlichen Welt, in der alle Menschen in Freiheit vereint sind.
Das Gedicht endet mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf eine Welt ohne Krieg, in der alle Menschen Brüder sind und in Frieden zusammenleben. Die Zeilen „Sieg allen in der Heimatschlacht! Dann sinken Grenzen, stürzt die Macht, und alle Welt ist Vaterland, und alle Welt ist frei!“ sind ein Ausdruck von Mühsams Vision einer universalen Brüderlichkeit und Freiheit. Der Autor nutzt einfache, aber eindringliche Sprache und einen packenden Rhythmus, um seine Botschaft zu vermitteln, die auch heute noch ihre Gültigkeit behält. Es ist ein starkes Plädoyer für Frieden, Solidarität und die Überwindung von Krieg und Ungerechtigkeit.
Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.
Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.