Soldatenlied

Erich Kurt Mühsam

1916

Wir lernten in der Schlacht zu stehn bei Sturm und Höllenglut. Wir lernten in den Tod zu gehn, nicht achtend unser Blut. Und wenn sich einst die Waffe kehrt auf die, die uns den Kampf gelehrt, sie werden uns nicht feige sehn. Ihr Unterricht war gut.

Wir töten, wie man uns befahl, mit Blei und Dynamit, für Vaterland und Kapital, für Kaiser und Profit. Doch wenn erfüllt die Tage sind, dann stehn wir auf für Weib und Kind und kämpfen, bis durch Dunst und Qual die lichte Sonne sieht.

Soldaten! Ruft′s von Front zu Front: Es ruhe das Gewehr! Wer für die Reichen bluten konnt, kann für die Seinen mehr. Ihr drüben! Auf zur gleichen Pflicht! Vergeßt den Freund im Feinde nicht! In Flammen ruft der Horizont nach Hause jedes Heer.

Lebt wohl, ihr Brüder! Unsre Hand, daß ferner Friede sei! Nie wieder reiß das Völkerband in rohem Krieg entzwei. Sieg allen in der Heimatschlacht! Dann sinken Grenzen, stürzt die Macht, und alle Welt ist Vaterland, und alle Welt ist frei!

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Illustration zu Soldatenlied

Interpretation

Das Gedicht "Soldatenlied" von Erich Kurt Mühsam ist ein kraftvolles und kritisches Werk, das sich mit den Themen Krieg, Klassenunterschiede und internationale Solidarität auseinandersetzt. Es beginnt mit der Beschreibung der Soldaten, die im Krieg gelernt haben, standhaft zu bleiben und den Tod zu akzeptieren. Die Soldaten haben ihre Ausbildung erhalten und sind darauf vorbereitet, für ihr Vaterland und das Kapital zu kämpfen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Kritik an den wahren Motiven des Krieges deutlich. Die Soldaten erkennen, dass sie für die Reichen und das Kapital kämpfen, nicht für ihre eigenen Interessen. Doch wenn ihre Pflicht erfüllt ist, werden sie für ihre Familien und Kinder aufstehen und für eine bessere Welt kämpfen. Im letzten Teil des Gedichts ruft der Autor die Soldaten auf, ihre Waffen niederzulegen und sich gegen diejenigen zu erheben, die sie in den Krieg geschickt haben. Er appelliert an die internationale Solidarität und fordert die Soldaten auf, die gemeinsamen Interessen der arbeitenden Menschen zu erkennen. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Einheit und Freiheit für die ganze Welt, in der Grenzen und Machtstrukturen überwunden werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
für Vaterland und Kapital
Anapher
Wir lernten ... Wir lernten ... Wir lernen
Metapher
Sturm und Höllenglut
Parallelismus
für Vaterland und Kapital, für Kaiser und Profit
Personifikation
die Waffe kehrt
Reimschema
AABB
Symbolik
die lichte Sonne
Synekdoche
das Gewehr