Soldaten Ode

Sidonia Hedwig Zäunemann

1740

Ihr Brüder! Ihr Brüder! Seyd lustig mit mir! Werft Bücher, Papir Darnieder, Darnieder; Ich suche stat der Dinte Blut, Degen, Helm und Flinte, Räum das Herz dem Mavor ein, So kan ich vergnüget seyn.

Mars schenket, Mars schenket Vergnügen und Lust, Die Seele und Brust Gedenket, gedenket: Ich will mit Martis Waffen Mir reiche Beute schaffen: Da mein Herze in der Stadt Wenig sonst zu hoffen hat.

Sechs Batzen, sechs Batzen Giebt dieser ohn Streit, Der auf dem Roß reit′t. Drum schwatzen, drum schwatzen Die Lippen: Ich will reiten Ohn Geld, bey Krieges-Leuten. Ey! was frag ich nach dem Pferd, Bin ich doch des Esels werth.

Soldaten, Soldaten Sind munter und froh, Auf Betten und Stroh. Sie rathen, sie rathen, Wie sie in andern Städtgen Auch wieder andre Mädgen, Sich zum Zeitvertreib ersehn, Und zu ihnen spiele gehn.

Bey Pfeifen, bey Pfeifen Kriegt mancher am Tag Stoß, Ruthen und Schlag, Sie greifen, sie greifen Die Trummeln mit viel Freuden. Es weichet Gram und Leiden, Giebt nur stets der Officier Den Soldaten Geld zu Bier.

Mit siegen, mit siegen, Wird alles vollbracht. Wer dieses betracht, Muß springen, muß springen: Denn der Soldaten Wesen Hat Lustbarkeit erlesen; An dem Morgen, bey der Ruh Gehet alles lustig zu.

Wenns heiset, wenns heiset: Auf! ziehet ins Feld! Erbeutet euch Geld! Da preiset, da preiset Der Mund die frohen Stunden, Die sich darzu gefunden, Da nunmehr das Glücke blüht, Weil man seinen Feind bezieht.

Marschieret, marschieret, Und kämpfet mit Fleiß: So folget der Preiß. Vollführet, vollführet Was Mavor angefangen, So wird man siegend prangen: Und man trägt die Ehren-Kron, Zu der Feinde Schmach davon.

Wir bleiben, wir bleiben Bey Pulver und Bley Dem Mavor getreu, Und schreiben, und schreiben Uns unter seine Fahne, Zu unsrer Ehren-Bahne, In das Buch der Seinen ein. Auf! und laßt uns lustig seyn!

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Illustration zu Soldaten Ode

Interpretation

Das Gedicht "Soldaten Ode" von Sidonia Hedwig Zäunemann ist eine enthusiastische Lobpreisung des Soldatenlebens. Die Sprecherin, vermutlich eine Frau, ruft ihre Brüder dazu auf, Bücher und Papier beiseitezulegen und stattdessen das Leben als Soldat zu wählen. Sie betont die Anziehungskraft von Waffen, Kampf und der Zugehörigkeit zu Mars, dem römischen Kriegsgott. Das Gedicht zeichnet ein Bild von Soldaten als fröhlichen, sorglosen Menschen, die sich auf Abenteuer, Eroberungen und Vergnügen freuen. Die Strophen beschreiben verschiedene Aspekte des Soldatenlebens: die Aufregung des Kampfes, die Aussicht auf Beute und Reichtum, die Kameradschaft unter den Soldaten und die Freuden des Sieges. Die Sprecherin betont die finanziellen Vorteile des Soldatenlebens, wie das regelmäßige Soldgeld und die Möglichkeit, durch Beute reich zu werden. Sie stellt das Soldatenleben als eine Alternative zum bürgerlichen Leben dar, das als langweilig und erfolglos dargestellt wird. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur Treue gegenüber Mars und der Bereitschaft, unter seiner Fahne zu kämpfen. Die Sprecherin betont die Ehre und den Ruhm, die mit dem Soldatenleben verbunden sind, und ruft dazu auf, fröhlich und mutig in den Kampf zu ziehen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine sehr positive und idealisierte Sicht auf das Soldatenleben, die die Gefahren und Härten des Krieges ausblendet und stattdessen die vermeintlichen Vorteile und Freuden in den Vordergrund stellt.

Schlüsselwörter

bey soldaten lustig mavor geld brüder darnieder seyn

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Stilmittel

Anapher
Wir bleiben, wir bleiben
Bildsprache
Die Ehren-Kron
Metapher
Die Seele und Brust
Personifikation
Das Glücke blüht
Wiederholung
Und schreiben, und schreiben