Sohn und Vater
1844Fritz frägt den alten Vater; »Wo ist mein blankes Schwert? Will ziehen gen den Buben, Der uns die Freiheit wehrt!
Was frommt′s mir, daß ich lernte Bis in die späte Nacht? Hinunter mit den Ketten, So weit die Sonne lacht!
Fort mit den staub′gen Büchern, Fort mit der Wissenschaft! Der Freiheit will ich opfern Des Lebens Thatenkraft!
Es ruft mich in die Schranken, Zu kämpfen für das Recht, Und fall′ ich auch, so kämpft′ ich Für′s kommende Geschlecht!«
Der Vater aber schüttelt Das altermüde Haupt, Und spricht: mein lieber Fritze, Das ist ja nicht erlaubt!
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Interpretation
Das Gedicht "Sohn und Vater" von Adolf Glaßbrenner handelt von einem Generationenkonflikt zwischen einem jungen, idealistischen Sohn namens Fritz und seinem pragmatischen Vater. Fritz ist voller Enthusiasmus und möchte für die Freiheit kämpfen, indem er sein Schwert zieht und gegen diejenigen vorgeht, die die Freiheit einschränken. Er ist bereit, seine Bildung und wissenschaftlichen Bestrebungen aufzugeben, um sich ganz der Sache der Freiheit zu widmen. Er ist bereit, für das Recht zu kämpfen und sogar zu sterben, solange er für zukünftige Generationen kämpft. Der Vater hingegen reagiert mit Skepsis und Zurückhaltung auf die leidenschaftlichen Worte seines Sohnes. Er schüttelt den Kopf und erinnert Fritz daran, dass sein Vorhaben nicht erlaubt ist. Dies deutet darauf hin, dass der Vater die Realität und die Konsequenzen solcher Handlungen besser versteht. Er mag die Risiken und möglichen negativen Auswirkungen eines solchen Kampfes erkennen, die der idealistische Sohn noch nicht bedacht hat. Das Gedicht verdeutlicht den Konflikt zwischen jugendlichem Idealismus und väterlicher Weisheit. Es zeigt, wie die Leidenschaft und der Idealismus der Jugend oft auf die Realität und die Erfahrung der älteren Generation treffen. Der Vater steht für Vorsicht und Verantwortung, während der Sohn für Idealismus und den Wunsch nach Veränderung steht. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Balance zwischen Idealismus und Pragmatismus sowie die Bedeutung von Erfahrung und Weisheit in der Entscheidungsfindung an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Will ziehen gen den Buben, / Der uns die Freiheit wehrt!
- Antithese
- Der Freiheit will ich opfern / Des Lebens Thatenkraft
- Apostrophe
- Es ruft mich in die Schranken
- Enjambement
- Es ruft mich in die Schranken, / Zu kämpfen für das Recht
- Hyperbel
- Bis in die späte Nacht
- Metapher
- Wo ist mein blankes Schwert?
- Personifikation
- So weit die Sonne lacht
- Rhetorische Frage
- Was frommt's mir, daß ich lernte