Sobald ein stolzer Mensch zur Erde kehrt...

George Gordon Lord Byron

1788

Sobald ein stolzer Mensch zur Erde kehrt, Erhaben durch Geburt, sonst arm an Wert, Erschöpft des Bildners Kunst den Pomp der Trauer Die Urne leiht dem Namen ihre Dauer, Und auf dem Leichensteine steht zu lesen, Was einer sein soll, nicht was er gewesen. Der Arme Hund, der beste Freund der Welt, Beim Willkommen zärtlich umd beim Kampf ein Held, Dess treues Herz, von keiner Not gedämpft, Nur für den Herrn lebt, atmet, keucht und kämpft, Sinkt ungeehrt ins Grab, - ein Himmel fehlt Der Seele, die auf Erden ihn beseelt, Weil ja der Mensch, der eitle Wurm, die Welt Der Spähren sich ausschliesslich vorbehält. Oh Mensch! Du Schwächling mit der Stundenpracht, Entehrt durch Knechtschaft und verderbt durch Macht, Wer recht dich kennt, der flieht vor Ekels schon, Missratner Klumpen von belebtem Thon! Wollust ist deine Liebe, Freundschaft Lug, Dein Lächeln Heuchlei, dein Wort Betrug! Gemeine Art, mit Namen stolz verbrämt, - Erröte, vom verwandten Vieh beschämt! Ihr, die ihr diese schlichte Urne seht, Sie ehret nicht was ihr betrauert, - geht! Von einem Freund erzählt dies Denkmal mir; Ich kenne einen bloss, - und der liegt hier.

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Illustration zu Sobald ein stolzer Mensch zur Erde kehrt...

Interpretation

Das Gedicht "Sobald ein stolzer Mensch zur Erde kehrt..." von George Gordon Lord Byron ist eine scharfe Kritik an der menschlichen Gesellschaft und ihren Werten. Byron kontrastiert den Stolz und die Eitelkeit der Menschen mit der Treue und dem Wert eines Hundes. Er beschreibt, wie stolze Menschen, die vielleicht durch Geburt erhaben sind, aber wenig wirklichen Wert besitzen, nach ihrem Tod mit Pomp und Trauer geehrt werden. Ihre Gräber tragen Inschriften, die beschreiben, was sie sein sollten, nicht was sie wirklich waren. Im Gegensatz dazu wird der treue Hund, der beste Freund des Menschen, ungeehrt begraben, obwohl er ein Herz von unschätzbarem Wert besitzt. Byron beschreibt den Menschen als "schwächlichen Wurm", der durch Knechtschaft und Macht entehrt und verdorben wird. Er kritisiert die menschlichen Tugenden wie Liebe, Freundschaft und Lächeln als heuchlerisch und betrügerisch. Der Mensch wird als ein "missratener Klumpen von belebtem Ton" dargestellt, der sich von den Tieren nicht wesentlich unterscheidet. Byron fordert die Menschen auf, sich zu schämen und zu erröten, weil sie von den Tieren beschämt werden. Das Gedicht endet mit einer direkten Ansprache an den Leser. Byron weist darauf hin, dass das einfache Denkmal, das er beschrieben hat, nicht das ehrt, was der Leser betrauert. Er offenbart, dass das Denkmal für einen Freund errichtet wurde, und dass er nur einen solchen Freund kannte, der nun hier begraben liegt. Dies unterstreicht die Einsamkeit und Entfremdung des Menschen in einer Gesellschaft, die wahre Freundschaft und Treue nicht zu schätzen weiß.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Gemeine Art, mit Namen stolz verbrämt
Anspielung
Oh Mensch! Du Schwächling mit der Stundenpracht
Bildsprache
Sobald ein stolzer Mensch zur Erde kehrt, Erhaben durch Geburt, sonst arm an Wert
Hyperbel
Der Arme Hund, der beste Freund der Welt
Ironie
Sobald ein stolzer Mensch zur Erde kehrt, Erhaben durch Geburt, sonst arm an Wert
Kontrast
Der Arme Hund, der beste Freund der Welt, Beim Willkommen zärtlich umd beim Kampf ein Held
Metapher
Entehrt durch Knechtschaft und verderbt durch Macht
Metaphorische Sprache
Gemeine Art, mit Namen stolz verbrämt
Personifikation
Weil ja der Mensch, der eitle Wurm, die Welt Der Spähren sich ausschliesslich vorbehält
Symbolik
Die Urne leiht dem Namen ihre Dauer