So tief verwundet ist dies Herz
1862So tief verwundet ist dies Herz -
Es möchte sich in Nacht versenken, Nicht sehen, hören und nicht denken,
Nur fühlen seinen bitt′ren Schmerz! So kostet′ es ihn bis zum Grund,
Es müßte langsam sich verbluten, Und aus den ausgebrannten Gluthen
Erhöb′ es sich vielleicht gesund.
Nun aber wird der laute Tag,
Der ihn geschäftig will zerstören, Des Herzens Qual nur noch vermehren, Nicht stark es machen, sondern schwach.
Doch sei′s getragen - nach dem Wie
Nicht fragt der Selbstbeherrschung Wille; Nur Aug′ und Lippe, haltet stille,
Das inn′re Leid verrathet nie!
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Interpretation
Das Gedicht "So tief verwundet ist dies Herz" von Luise Büchner handelt von einem tief verletzten Herzen, das sich in die Nacht zurückziehen möchte, um seinen bitteren Schmerz zu fühlen und auszuhalten. Das Herz möchte nicht mehr sehen, hören oder denken, sondern sich nur noch in seinem Schmerz suhlen. Es kostet diesen Schmerz bis zum Grund aus, in der Hoffnung, sich langsam zu verbluten und aus den ausgebrannten Gluthen vielleicht gesund zu erheben. Doch der laute Tag wird dem Herzen nicht helfen, sondern nur seine Qual noch vermehren. Die geschäftige Zerstörung des Tages wird das Herz nicht stärken, sondern schwächen. Dennoch wird das Herz getragen, ohne nach dem Wie zu fragen. Der Wille zur Selbstbeherrschung gebietet, dass Auge und Lippe stillhalten, damit das innere Leid nicht verraten wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Nur fühlen seinen bitt′ren Schmerz
- Metapher
- Das inn′re Leid verrathet nie
- Personifikation
- Nicht fragt der Selbstbeherrschung Wille