So ströme denn in vollem Maß
1841So ströme denn in vollem Maß Hernieder, du Maienregen, Ersehntes, köstliches, tröstliches Naß, Befruchtender Erden-Segen!
Lang konnte der Himmel bang und schwer Die lindernde Träne nicht finden, Seine Wimper, die Wolken, drückten sehr Und zuckten, gejagt von den Winden
Ihm lag es wie vergangene Lust, Wie Ahnung künftiger Schmerzen, Bergeschwer auf der schwülen Brust, Auf dem bebenden Götter-Herzen.
Nun brechen und gießen allzumal Die Schleusen, die Ströme, die Quellen; Durch zerrissene Schleier blinkt ein Strahl, Das neue Blau zu erhellen.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wann hast Du zuletzt Dich ausgeweint, Mein Herz, in Klang und Klage, Und wann, mein armes Herz, erscheint Dein Neulicht fröhlicher Tage?!
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Interpretation
Das Gedicht "So ströme denn in vollem Maß" von Franz von Dingelstedt ist ein lebendiges Loblied auf den ersehnten Mai-Regen, der nach einer langen Trockenperiode die Erde erfrischt und belebt. Die Natur wird dabei personifiziert, wobei der Himmel als ein leidendes Wesen dargestellt wird, das unter der Last der Wolken leidet und schließlich Erlösung durch den Regen findet. Die Bilder sind reich und farbenfroh, wobei der Regen als "tröstliches Naß" und "Befruchtender Erden-Segen" beschrieben wird, was seine lebensspendende und reinigende Wirkung betont. In der zweiten Strophe wird die Spannung vor dem Regenaufbau dargestellt, wobei der Himmel als ein Wesen beschrieben wird, das unter der Last der Wolken leidet. Die Wolken werden als "Wimpern" des Himmels bezeichnet, die schwer drücken und von den Winden gejagt werden. Dies vermittelt ein Gefühl von Unbehagen und Erwartung, das schließlich durch den einsetzenden Regen gelöst wird. Das Gedicht schließt mit einer Reflexion über die menschliche Seele, die in Analogie zum Himmel und zur Natur steht. Der Sprecher fragt sein Herz, wann es das letzte Mal "ausgeweint" hat und wann es wieder "fröhlichere Tage" sehen wird. Diese metaphorische Verbindung zwischen der Natur und der menschlichen Emotion unterstreicht die universelle und zyklische Natur von Leid und Erleichterung, von Trauer und Freude.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Wann hast Du zuletzt Dich ausgeweint, / Mein Herz, in Klang und Klage
- Metapher
- Wann hast Du zuletzt Dich ausgeweint, / Mein Herz, in Klang und Klage
- Personifikation
- Seine Wimper, die Wolken, drückten sehr